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Re: Religiösität

Mel @, Tuesday, 22. January 2002, 09:21 @ Willi, CHR-Verwaltung


Als Antwort auf: Religiösität von Willi, CHR-Verwaltung am 21. Januar 2002 21:14:49:

Ich stimme mit den meisten Punkten überein, natürlich haben die Leute einen sehr starken Glauben, aus den zahlreichen angesprochenen Punkten, aber darum geht es mir nicht primär. Es geht mir darum, warum Zweifel sich der Gedankenstruktur der Wesen völlig entziehen sollen.

Der einfache Pöbel wird natürlich alles so hinnehmen und akzeptieren, dass ist selbst in unserer heutigen Gesellschaft so, aber das Bildungsbürgertum und das wird wohl überwiegend aus den Spielern gebildet, kommt meiner Ansicht nach an Zweifeln und auch Unglaube nicht vorbei.

Zweifel sind deshalb verständlich, weil es nicht nur einen Glauben gibt in Chrestonim, es gibt mehrere, den Sragonglaube, alten und neuen Kult, den Yedeismus. Dadurch, dass ein Bewohner schon mal die theoretische Wahl zwischen zwei Glaubensstrukturen hat, wird er dazu animiert, darüber nachdenken (vorrausgesetzt er wird mit beiden konfrontiert) welcher der Rechte ist. In diesem Moment ist er schon nicht mehr Hundertprozent seinen Glauben ergeben. Er zweifelt in gewisser Weise. Der Schritt darüber nachzudenken, ob neben den 4 Glaubensrichtungen keine weitere möglich sein könnte, ist nicht weit. Das sind schon philosophische Gedanken darüber, ob nicht etwas ganz anderes möglich sein könnte.

Gilgat wird als sehr freie Stadt bezeichnet, sie hat rege Handelsbeziehungen mit Estichà und die Leute werden sich wohl öfters austauschen. Da Gilgat sehr tolerant ist, mehrere Glaubensstrukturen kennt, haben auch die Bewohner viel freiere Gedanken, die sie natürlich in Gesprächen auch an Leute aus dem konservativen Estichà weitergeben werden, während die wiederum darüber nachdenken und vielleicht das eine oder andere ebenfalls indirekt an Bürger des elurischen Reiches weitergeben.

Durch die engen Beziehungen zu freieren Städten, hätten damit auch die Priester von Estichà das Problem, gegen Andersgläubige nicht übermäßig hart vorgehen zu dürfen. Ein Händler aus Gilgat, der dem Yedeismus anhängt, müsste in Estichà, würden die Priester ihrer Aufgabe nachkommen, sofort verhaftet werden. Natürlich könnte man einwenden, dass dieser Händler seine Glaubensrichtung nicht öffentlich bekannt gibt, aber damit würde er wohl seinen Glauben verraten und sich selbst, wenn er das nicht tun will, würde er Estichà in Zukunft wohl meiden.

Es ist jetzt schwer zu sagen, die strengen Glaubensrichtungen gelten nur für die Bürger von Estichà, es würde wohl kein Bürger tolerieren, wenn ein gilgater Händler seine Abneigung zum neuen Kult aus Überzeugung frei bekunden darf, während Jemand aus Estichà dafür sofort hingerichtet wird.

Ein weiteres Problem liegt bei den Spielern selbst, gerade zwischen Gilgat und Estichà müsste es viel stärkere Konflikte geben, wenn der Glaube wirklich so stark ist wie behauptet. Besonders die Priester müssten sich doch extremst gegen ein Handelsverhältnis mit der goldenen Stadt wehren, weil dort immerhin viele Ungläubige leben, oder solche, die falsches Gedankengut verbreiten.

Ich hoffe es ist etwas klarer geworden, warum ich diesen extremen Glauben für unglaubwürdig halte. Im Mittelalter hat das nur funktioniert, weil die Leute konsequent waren. In Länder von Ungläubigen wurden solange Kreuzzüge gemacht, bis die Leute bekehrt waren, in den Dörfern wurden Überprüfungen des Glaubens an jedem Bürger durchgeführt, es gab strengste Kontrollen und höchste Brutalität in dieser Sache und dennoch gab es ganze Gruppierungen von Ketzern, denen kaum beizukommen war.

Wie gesagt ich bin eindeutig dafür, dass der Glaube das Leben maßgeblich bestimmt, aber um diesen totalitären Glauben durchzusetzen, der keine Abweichung duldet, bedarf es mehr Konsequenz.

Vorovis wird es zweifellos schaffen, den alten Kult zu behalten, für einen fanatischen Glauben hat die Stadt genau die richtigen Vorraussetzungen, aber Estichà ist viel zu liberal und weltoffen dafür. Wenn Leute versuchen würden, mit Gewalt gegen das freie Gedankengut der übrigen Welt vorzugehen, dann würden sie sich gegen einen Prozess wehren, der kaum noch aufzuhalten ist.

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