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Stephan / Luna, Thursday, 05. November 2026, 06:39 @ Mel


Als Antwort auf: Religionsfragen von Mel am 21. Januar 2002 13:13:33:

Ich hatte vor kurzen ein Streitgespräch im Chat, indem behauptet wurde allein die Annahme es könne möglicherweise auch mehr als 16 Götter geben, sei bereits fast als ketzerisch zu bezeichnen. Ich würde in diesen Punkt gern einmal Klarheit haben, ich persönlich finde nämlich diesen unanzweifelbaren Glauben, der zu den Menschen gehört wie die Faust aufs Auge (*g) mehr als unrealistisch.
Ich akzeptiere, dass durch die Angst vor der Inquisition gegen den Glauben nichts gesagt wird, aber ich bezweifle, dass wirklich jeder Bürger so unheimlich gläubig ist.
Im Streitgespräch wurde beinahe vorrausgesetzt, dass ein Mensch überhaupt nicht die Gedanken haben kann, dass die Welt vielleicht von etwas anderem als den Göttern erschaffen wurde. Ich glaube aber, dass es im Geist intelligenter Wesen liegt, eben nicht alles willenlos als Tatsachen zu akzeptieren, sondern auch mal an diesen zu zweifeln. Es kann auch nicht angehen, dass Jedermann gleich mit der Inquisition gedroht wird, nur weil er etwas philosophiert ob es nicht ganz anders sein könnte als behauptet.

Also als Priesterschaft würde ich schon ganz genau darauf achten, Leute mundtot zu machen, die mir ans Bein pinkeln wollen. Das stecken ja auch vitale Intressen drin.

1. Kann die Angst nicht so groß sein, weil die Inquisition weit weg ist und bestimmt nicht wegen jedem Pisser durch die halbe Welt tuckert. Klar, sie kommt, wenn in Estichà ein Lijantempel errichtet wird. Klar, sie kommt auch, wenn scheinbar grundlos Priester ermordet werden, aber das sind schon ziemlich gravierende Sachen. Wieso sollten Leute also Angst haben zu sagen: "Nein ich glaube nicht an die Götter" wenn die Inquisition sowieso nur bei wirklichen Bedrohungen antanzt?

Das setzt ja voraus, dass der einzige Grund zum Glauben darauf beruht, dass man Repressalien vermeiden will. Das ist aber mit ziemlicher Sicherheit nicht der Fall.
Der Mensch hat ein grundlegendes Bedürfnis sich seine Umwelt zu erklären, damit sie für Ihn "kalkulierbar" und somit "sicherer" wird. Eine starke Individualisierung, die auch eine Vorraussetzung für den "eigenen" Weg wäre, sehe ich in Chrestonim auch nicht.
Außerdem kann auch die Stadtwache irgendwelche offensichtlichen Ketzereien ahnden.

2. Es mag richtig sein, dass der überwiegende Teil der Bevölkerung glaubt, aber warum wird das für alle vorrausgesetzt? Gerade bei der Vielzahl an Rassen und unterschiedlichen Typen von Städten ist das nicht sehr glaubwürdig. In Estichà versammeln sich viele Wesen aus allen Ecken Chrestonims, wie kann es da keine Abweichungen von der Norm geben?


Nun, das Bildungsmonopol hat ja wohl auch in Chrestonim die Priesterschaft.
Diese hat ein eigenes Interesse daran, dass Ihre eigenen Kulte laufen.
Es gibt in Chrestonim noch keine freie Wissenschaft wie sie bei uns vor vielen hundert Jahren gegründet worden ist. Die eigentlich "entzauberung" der Welt ist erst ein paar hundert Jahre alt. Man könnte darüber philosophieren, ob es wirklich zum besten gewesen ist... Es gibt aber mit Sicherheit einige Leute die den Glauben an die Götter durch "unerklärliche" Ereignisse verloren haben.
Das sollte aber die Ausnahme sein. Zu glauben hat in Chrestonim mehr Vorteile als es nicht zu tun.
So wie ich es verstanden habe, sind die Kulte der verschiedenen Rassen auch relativ gut tradiert. Abspaltungen oder einen Andersartigkeit kann ich mir nur in Form von Sekten vorstellen, die dann aber auch "zeigen" müssen, ob sie überleben, siehe Inquisition ;-)

3. Die Priester tun absolut nichts dafür, die Bevölkerung den wahren Glauben zu lehren. Damit die Menschen bei der Stange bleiben, bedarf es predigten, Gleichnissen für die Erstaunlichkeit der Götter e.t.c. Davon merkt man nicht viel, weil in Chrestonim die Menschen zu glauben haben, wieso sollten sich die Priester noch groß anstrengen auch ihren Teil dazu beizutragen?

Das wird in Chrestiom, spezieller in Esticha, tatsächlich nicht gespielt.
Allerdings denke ich, dass auch die Spieler und die NSC stillschweigend einem Kult angehören und im übertragenen Sinne jeden Sonntag in den Tempel gehen.
Das ist tatsächlich ein Mangel im Rollenspiel, da wir natürlich wieder nur uns selbst spielen...

Ich hatte noch ein paar Argumente mehr, vielleicht fallen sie im Laufe der Diskussion noch ein. Mit Weltverbesserung hat das hier nichts zutun, sollen die Menschen ruhig schön gläubig sein, dann aber bitte glaubwürdig.
Mel

Man kann sich schon überlegen, es in Chrestonim anders zu machen. Allerdings sind die Rahmenbedingungen die schon etabliert wurden, starke Indikatoren für eine Ähnlichkeit mit der Menschheitsgeschichte.


Stephan / Luna

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