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Re: Spaß an Grausamkeiten?

Johannes/Kjolu @, Tuesday, 21. June 2005, 12:43 @ Sebastian


Als Antwort auf: Re: Spaß an Grausamkeiten? von Sebastian am 21. Juni 2005 12:13:51:


Ähm... ich wollte mich ja eigentlich nicht einmischen, aber das letzte Posting hat mich doch etwas verwirrt. Wenn ich es richtig geblickt habe, gab es eine Folterung, die auch ic begründet war, die Folterungsmail beinhaltete eine "seichtere" Zusammenfassung, die betroffene Spielerin war davon nicht groß beeindruckt, nur eine andere Spielerin, an die die Mail überhaupt nicht gerichtet war. Erstmal kann ich bis hier hin kein Problem erkennen, außer evtl., dass die Mail oder ihr Inhalt an jemand Unbeteiligten weitergeleitet wurde...

Dann aber entnehme ich deinem Beitrag, Sebastian, dass du meinst, dass man Grausamkeit und Gewalt schon ausspielen sollte, weil es irgendwie dazu gehört, aber nur, wenn es für beide Seiten in Ordnung ist, und dass man das nur entscheiden kann, wenn man mal auf der Opferseite stand. Das heißt dann soviel, dass der Spieler des Opfercharakters auch gleichzeitig die Rolle seines Charakters annimmt? Das scheint mir etwas wenig Distanz zum Fiktiven und zur Figur. Klar, wenn ich natürlich soweit gehe, dass ich irgendwann selbst mein Charakter bin, muss mich das logischerweise mitnehmen, aber im Prinzip wird in jedem CHR-Plot eine Geschichte erzählt, bei derem Verfassen jeder eine bestimmte Seite übernimmt, nämlich die seines Charakters. Wenn mein Charakter jetzt Opfer einer Folterung wird, dann ist das eine Figur, der da Schreckliches widerfährt und nicht mir als Spieler. Dass Geschichten, ob Bücher, Filme, Rollenspielplots einem nahegehen können, ist ja verständlich, aber warum muss man sich dann gleich in die Situation des eigenen Charakters versetzen? Ich weiß, der Vergleich hinkt, aber ein Schauspieler läuft auch nicht heulend vom Set nach Hause, weil seine Rolle gestorben ist... Eine Zusammenfassung ist geschrieben worden, der Empfänger kannn quasi das Maß an Explizität selber wählen. Und das macht einen Unterschied, wenn nicht für dich, dann doch wohl für die meisten anderen, denn der Streitpunkt scheint doch zu sein, wie grausam so etwas ausgespielt sein muss. Wenn in einer Zusammenfassung relativ "nüchtern" steht, dass dem Charakter z.B. die Augen ausgestochen wurden, wo ist dann das Problem? Das Problem taucht dann auf, wenn man diese Verstümmelung des Charakters persönlich nimmt, und genau an dem Punkt, denke ich, ist diese Haltung nicht viel besser als Spieler, die aus ooc-Gründen andere Charaktere umbringen. Wenn man darauf Rücksicht nehmen will, ob der Gegenüber mit Folter und Verstümmelung einverstanden ist, dann darf man nach deiner ansicht also nur Charakteren etwas antun, deren Spieler das in Ordnung finden? Das verstehe ich ehrlich gesagt nicht so ganz. Dann darf man letztendlich nur noch sich selber foltern, oder man bastelt sich einen Zweitcharakter, vorzugsweise mit zusätzlicher Mailadresse, damit man sich selbst Foltermails lustig hin- und herschicken kann.

Natürlich gebe ich dir in einigen Dingen Recht, man muss solche Sachen natürlich ic gut begründen, aber - so wie es in diesem Fall ja scheint - wenn das gemacht wurde, dann gibt es doch nur einen Streitpunkt, nämlich den, wie explizit man das ausführen soll, und nicht den, ob es generell in Ordnung ist. Wer die Distanz zu seinem Charakter nicht hat, als dass diesem nicht auch mal etwas schlimmes widerfahren kann, der sollte dringend mal nach Haltepunkten in seinem "realen Leben" suchen...


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