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<title>Spielerforum</title>
<link>http://foren.chrestonim.de/ooc/</link>
<description>Spielerforum</description>
<language>de</language>
<item>
<title>Re: Gibt es den Weihnachtsmann überhaupt?</title>
<content:encoded><![CDATA[<p><em>Antwort von Dirk, Wednesday, 25. December 2002, 10:36:</em></p><p><p><br />
Als Antwort auf: <strong>Gibt es den Weihnachtsmann überhaupt?</strong> von Alex am 24. Dezember 2002 20:29:41:</p>
<p><br />
Danke für deinen Beitrag *g*</p>
<p>Er zeigt mir wieder, mit was sich die Menschheit für WICHTIGE Themen so beschäftigt. Das 'Wunder von Manhattan' erklärt aber viele dieser aufgeführten, hochwissenschaftlich belegten Berechnungen ganz einfach mit einem Fakt:<br />
Der Weihnachtsmann sprengt die Grenzen unserer Realität nicht nur ein klein bischen, er ignoriert sie ständig. (Macht er sich dadurch nicht strafbar?)<br />
Da bisher jegliche Suche nach der Behausung des Weihnachtsmannes auf dem Nordpol erfolglos blieben, müssen wir davon ausgehen, daß er entweder eine hochentwickelte Tarnkappentechnologie besitzt oder es schafft, was logischer erscheint, eine Art Raum-Zeittasche zu erschaffen, in der seine Werkstätten liegen. Die gleiche Technologie, die durchaus und Form von Nanotechnik vorhanden sein kann, umgibt demnach auch seine Rentiere, den Schlitten u.s.w., ja vielleicht sogar seine Kleidung, wenn man bedenkt, daß der Weihnachtsmann doch sehr beleibt ist und wohl so ziemlich jeden Schornstein sprengen würde, durch den er sich hindurchzwängt. Weiterhin dürfte es schwierig sein, sich in Wohnungen zu begeben, die nicht durch einen Schornstein mit der Außenwelt verbunden sind. Da dies jedoch auch immer wieder vorkommt (den Berichten von Eltern folgend, die keine Ahnung haben, woher die hässlichen Socken für die lieben Kinder kommen), ist der Weihnachtsmann zudem noch ein höchst raffinierter Einbrecher. (Macht er sich nicht auch dort strafbar?)</p>
<p>Wie auch immer. Die Wahrscheinlichkeit, daß der Weihnachtsmann irgendwie geschafft hat, die Grenzen von Zeit und Raum zu sprengen und darüberhinaus schon verdammt lange lebt, stellt sich die Frage, ob der Weihnachtsmann nun ein Alien ist oder nicht.<br />
Soviel zur eigentlich dringend anstehenden und hochaktuellen Folge von &lt;b&gt;Akte X&lt;/b&gt; mit dem Titel &lt;b&gt;Frohe Weihnachten&lt;/b&gt;, der nie gedreht wurde.</p>
<p><br />
</p>
</p>]]></content:encoded>
<link>http://foren.chrestonim.de/ooc/index.php?id=14290</link>
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<pubDate>Wed, 25 Dec 2002 10:36:05 +0100</pubDate>
<dc:creator>Dirk</dc:creator>
</item>
<item>
<title>Gibt es den Weihnachtsmann überhaupt?</title>
<content:encoded><![CDATA[<p><em>Antwort von Alex, Tuesday, 24. December 2002, 20:29:</em></p><p><p><br />
Als Antwort auf: <strong>Die Lüge von Coca Cola</strong> von Dirk am 24. Dezember 2002 15:43:33:</p>
<p><br />
1) Keine bekannte Spezies der Gattung Rentier kann fliegen. ABER es gibt 300.000 Spezies von lebenden Organismen, die noch klassifiziert werden muessen, und obwohl es sich dabei haupsaechlich Insekten und Bakterien handelt, schliesst dies nicht mit letzter Sicherheit fliegende Rentiere aus, die nur der Weihnachtsmann bisher gesehen hat. </p>
<p>2) Es gibt 2 Milliarden Kinder (Menschen unter 18) auf der Welt. ABER da der Weihnachtsmann (scheinbar) keine Moslems, Hindu, Juden und Buddhisten beliefert, reduziert sich seine Arbeit auf etwa 15 % der Gesamtzahl - 378 Millionen Kinder (laut Volkszaehlungsbuero). Bei einer durchschnittlichen Kinderzahl von 3,5 pro Haushalt ergibt das 91,8 Millionen Haeuser. Wir nehmen an, dass in jedem Haus mindestens ein braves Kind lebt. </p>
<p>3) Der Weihnachtsmann hat einen 31-Stunden-Weihnachtstag, bedingt durch die verschiedenen Zeitzonen, wenn er von Osten nach Westen reist (was logisch erscheint). Damit ergeben sich 822,6 Besuche pro Sekunde. </p>
<p>Somit hat der Weihnachtsmann fuer jeden christlichen Haushalt mit braven Kindern 1/1000 Sekunde Zeit fuer seine Arbeit: Parken, aus dem Schlitten springen, den Schornstein runterklettern, die Socken fuellen, die uebrigen Geschenke unter dem Weihnachtsbaum verteilen, alle uebriggebliebenen Reste des Weihnachtsessens vertilgen, den Schornstein wieder raufklettern und zum naechsten Haus fliegen. Angenommen, dass jeder dieser 91,8 Millionen Stops gleichmaessig auf die ganze Erde verteilt sind (was natuerlich, wie wir wissen, nicht stimmt, aber als Berechnungsgrundlage akzeptieren wir dies), erhalten wir nunmehr 1,3 km Entfernung von Haushalt zu Haushalt, eine Gesamtentfernung von 120,8 Millionen km, nicht mitgerechnet die Unterbrechungen fuer das, was jeder von uns mindestens einmal in 31 Stunden tun muss, plus Essen usw. </p>
<p>Das bedeutet, dass der Schlitten des Weihnachtsmannes mit 1040 km pro Sekunde fliegt, also der 3.000-fachen Schallgeschwindigkeit. Zum Vergleich: das schnellste von Menschen gebaute Fahrzeug auf der Erde, der Ulysses Space Probe, faehrt mit laecherlichen 43,8 km pro Sekunde. Ein gewoehnliches Rentier schafft hoechstens 24 km pro STUNDE. </p>
<p>4) Die Ladung des Schlittens fuehrt zu einem weiteren interessanten Effekt. Angenommen, jedes Kind bekommt nicht mehr als ein mittelgrosses Lego-Set (etwa 1 kg), dann hat der Schlitten ein Gewicht von 378.000 Tonnen geladen, nicht gerechnet den Weihnachtsmann, der uebereinstimmend als uebergewichtig beschrieben wird. </p>
<p>Ein gewoehnliches Rentier kann nicht mehr als 175 kg ziehen. Selbst bei der Annahme, dass ein &quot;fliegendes Rentier&quot; (siehe Punkt 1) das ZEHNFACHE normale Gewicht ziehen kann, braucht man fuer den Schlitten nicht acht oder vielleicht neun Rentiere. Man braucht 216.000 Rentiere. Das erhoeht das Gewicht - den Schlitten selbst noch nicht einmal eingerechnet - auf 410.400 Tonnen. Nochmals zum Vergleich: das ist mehr als das vierfache Gewicht der Queen Elizabeth. </p>
<p>5) 410.400 Tonnen bei einer Geschwindigkeit von 1040 km/s erzeugt einen ungeheuren Luftwiderstand - dadurch werden die Rentiere aufgeheizt, genauso wie ein Raumschiff, das wieder in die Erdatmosphaere eintritt. Das vorderste Paar Rentiere muss dadurch 16,6 TRILLIONEN Joule Energie absorbieren. Pro Sekunde. Jedes. Anders ausgedrueckt: sie werden praktisch augenblicklich in Flammen aufgehen, das naechste Paar Rentiere wird dem Luftwiderstand preisgegeben, und es wird ein ohrenbetaeubender Knall erzeugt. </p>
<p>Das gesamte Team von Rentieren wird innerhalb von 5 Tausendstel Sekunden vaporisiert. Der Weihnachtsmann wird waehrenddessen einer Beschleunigung von der Groesse der 17.500-fachen Erdbeschleunigung ausgesetzt. Ein 120 kg schwerer Weihnachtsmann (was der Beschreibung nach laecherlich wenig sein muss) wuerde an das Ende seines Schlittens genagelt - mit einer Kraft von 20,6 Millionen Newton. </p>
<p>Damit kommen wir zu dem Schluss: WENN der Weihnachtsmann irgendwann einmal die Geschenke gebracht hat, ist er heute tot. </p>
</p>]]></content:encoded>
<link>http://foren.chrestonim.de/ooc/index.php?id=14285</link>
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<pubDate>Tue, 24 Dec 2002 20:29:41 +0100</pubDate>
<dc:creator>Alex</dc:creator>
</item>
<item>
<title>Die Lüge von Coca Cola</title>
<content:encoded><![CDATA[<p><em>Antwort von Dirk, Tuesday, 24. December 2002, 15:43:</em></p><p><p><br />
Als Antwort auf: <strong>keine lust auf lange mails und schöne weihnachten!</strong> von Chris/Rondrian am 24. Dezember 2002 14:24:23:</p>
<p>&lt;center&gt;<a href="http://www.demicron.de/Vak/christmas_bunny.gif" target="_top">http://www.demicron.de/Vak/christmas_bunny.gif</a>&lt;/center&gt;</p>
<p><br />
Dies ist der unwiderlegbare Beweis dafür, daß nicht Coca Cola, sondern die ACME-Studios den Weihnachtsmann erfunden haben!</p>
<p>Alles Gute an all die, die keine Weihnachtsmail im Postkasten haben (Es sind einfach zu viele...)</p>
<p><br />
</p>
</p>]]></content:encoded>
<link>http://foren.chrestonim.de/ooc/index.php?id=14282</link>
<guid>http://foren.chrestonim.de/ooc/index.php?id=14282</guid>
<pubDate>Tue, 24 Dec 2002 15:43:33 +0100</pubDate>
<dc:creator>Dirk</dc:creator>
</item>
<item>
<title>keine lust auf lange mails und schöne weihnachten!</title>
<content:encoded><![CDATA[<p><em>Eintrag von Chris/Rondrian, Tuesday, 24. December 2002, 14:24:</em></p><p><p>möp zusammen!!</p>
<p>also.. ich hasse Rundmails für Weihnachten und <br />
deswegen schreib ich´s eben ins Forum.</p>
<p><br />
SCHÖNE WEIHNACHTEN!!!!!!!!</p>
<p>und für die, die ich nicht mehr lese/sehe </p>
<p>einen guten Rutsch ins neue Jahr!</p>
<p><br />
und nicht vergessen:<br />
der Weihnachtsmann ist nur eine Erfindung <br />
von Coca Cola um mehr Profit zu machen! :)</p>
<p>in diesem Sinne</p>
<p>*knuddlz an alle*</p>
<p>Chris</p>
<p>PS: auf ein neues Jahr in Chrest! SKOL! :)</p>
<p><br />
</p>
</p>]]></content:encoded>
<link>http://foren.chrestonim.de/ooc/index.php?id=14281</link>
<guid>http://foren.chrestonim.de/ooc/index.php?id=14281</guid>
<pubDate>Tue, 24 Dec 2002 14:24:23 +0100</pubDate>
<dc:creator>Chris/Rondrian</dc:creator>
</item>
<item>
<title></title>
<content:encoded><![CDATA[<p><em>Antwort von Tach, Sunday, 01. November 2026, 20:25:</em></p><p><p><br />
Als Antwort auf: <strong>Gibt es den Weihnachtsmann überhaupt?</strong> von Alex am 24. Dezember 2002 20:29:41:</p>
<blockquote><p>1) Keine bekannte Spezies der Gattung Rentier kann fliegen. ABER es gibt 300.000 Spezies von lebenden Organismen, die noch klassifiziert werden muessen, und obwohl es sich dabei haupsaechlich Insekten und Bakterien handelt, schliesst dies nicht mit letzter Sicherheit fliegende Rentiere aus, die nur der Weihnachtsmann bisher gesehen hat. <br />
2) Es gibt 2 Milliarden Kinder (Menschen unter 18) auf der Welt. ABER da der Weihnachtsmann (scheinbar) keine Moslems, Hindu, Juden und Buddhisten beliefert, reduziert sich seine Arbeit auf etwa 15 % der Gesamtzahl - 378 Millionen Kinder (laut Volkszaehlungsbuero). Bei einer durchschnittlichen Kinderzahl von 3,5 pro Haushalt ergibt das 91,8 Millionen Haeuser. Wir nehmen an, dass in jedem Haus mindestens ein braves Kind lebt. <br />
3) Der Weihnachtsmann hat einen 31-Stunden-Weihnachtstag, bedingt durch die verschiedenen Zeitzonen, wenn er von Osten nach Westen reist (was logisch erscheint). Damit ergeben sich 822,6 Besuche pro Sekunde. <br />
Somit hat der Weihnachtsmann fuer jeden christlichen Haushalt mit braven Kindern 1/1000 Sekunde Zeit fuer seine Arbeit: Parken, aus dem Schlitten springen, den Schornstein runterklettern, die Socken fuellen, die uebrigen Geschenke unter dem Weihnachtsbaum verteilen, alle uebriggebliebenen Reste des Weihnachtsessens vertilgen, den Schornstein wieder raufklettern und zum naechsten Haus fliegen. Angenommen, dass jeder dieser 91,8 Millionen Stops gleichmaessig auf die ganze Erde verteilt sind (was natuerlich, wie wir wissen, nicht stimmt, aber als Berechnungsgrundlage akzeptieren wir dies), erhalten wir nunmehr 1,3 km Entfernung von Haushalt zu Haushalt, eine Gesamtentfernung von 120,8 Millionen km, nicht mitgerechnet die Unterbrechungen fuer das, was jeder von uns mindestens einmal in 31 Stunden tun muss, plus Essen usw. <br />
Das bedeutet, dass der Schlitten des Weihnachtsmannes mit 1040 km pro Sekunde fliegt, also der 3.000-fachen Schallgeschwindigkeit. Zum Vergleich: das schnellste von Menschen gebaute Fahrzeug auf der Erde, der Ulysses Space Probe, faehrt mit laecherlichen 43,8 km pro Sekunde. Ein gewoehnliches Rentier schafft hoechstens 24 km pro STUNDE. <br />
4) Die Ladung des Schlittens fuehrt zu einem weiteren interessanten Effekt. Angenommen, jedes Kind bekommt nicht mehr als ein mittelgrosses Lego-Set (etwa 1 kg), dann hat der Schlitten ein Gewicht von 378.000 Tonnen geladen, nicht gerechnet den Weihnachtsmann, der uebereinstimmend als uebergewichtig beschrieben wird. <br />
Ein gewoehnliches Rentier kann nicht mehr als 175 kg ziehen. Selbst bei der Annahme, dass ein &quot;fliegendes Rentier&quot; (siehe Punkt 1) das ZEHNFACHE normale Gewicht ziehen kann, braucht man fuer den Schlitten nicht acht oder vielleicht neun Rentiere. Man braucht 216.000 Rentiere. Das erhoeht das Gewicht - den Schlitten selbst noch nicht einmal eingerechnet - auf 410.400 Tonnen. Nochmals zum Vergleich: das ist mehr als das vierfache Gewicht der Queen Elizabeth. <br />
5) 410.400 Tonnen bei einer Geschwindigkeit von 1040 km/s erzeugt einen ungeheuren Luftwiderstand - dadurch werden die Rentiere aufgeheizt, genauso wie ein Raumschiff, das wieder in die Erdatmosphaere eintritt. Das vorderste Paar Rentiere muss dadurch 16,6 TRILLIONEN Joule Energie absorbieren. Pro Sekunde. Jedes. Anders ausgedrueckt: sie werden praktisch augenblicklich in Flammen aufgehen, das naechste Paar Rentiere wird dem Luftwiderstand preisgegeben, und es wird ein ohrenbetaeubender Knall erzeugt. <br />
Das gesamte Team von Rentieren wird innerhalb von 5 Tausendstel Sekunden vaporisiert. Der Weihnachtsmann wird waehrenddessen einer Beschleunigung von der Groesse der 17.500-fachen Erdbeschleunigung ausgesetzt. Ein 120 kg schwerer Weihnachtsmann (was der Beschreibung nach laecherlich wenig sein muss) wuerde an das Ende seines Schlittens genagelt - mit einer Kraft von 20,6 Millionen Newton. <br />
Damit kommen wir zu dem Schluss: WENN der Weihnachtsmann irgendwann einmal die Geschenke gebracht hat, ist er heute tot. </p>
</blockquote><p> <br />
Im Tal der Träume<br />
=================</p>
<p>Kapitel 1 <br />
---------</p>
<p>Der blaue Planet, unsere Erde, ist unvorstellbar alt. Daher<br />
könnte man meinen, dass es unter der Sonne nichts Neues mehr gäbe;<br />
jegliche moderne Idee sei in ihren Grundzügen doch schon einmal da<br />
gewesen. Alles käme wieder. Frau Keller war nicht dieser<br />
Meinung. Lächelnd zog sie ein letztes Mal an ihrer Zigarette, blies<br />
den Rauch aus, lies die Zigarette auf den Teppichboden fallen und trat<br />
sie mit ihren schwarzen Lackschuhen aus. Nun würde sie ihre Wohnung<br />
also endgültig verlassen. Abschied ist immer ein bisschen wie sterben,<br />
ja... Wieder so ein gedankenloser Gebrauch des Wortes<br />
sterben. Gedankenlos, weil der Tod unwiderruflich ist und das absolute<br />
Ende von Allem bedeutet. Man kann nicht ein bisschen tot sein, man<br />
kann nicht ein bisschen schwanger sein, und man kann nicht ein<br />
bisschen ein Mörder sein. Entweder ist man es oder man ist es nicht!<br />
Das ist eine digitale Kategorie.</p>
<p>Sie gähnte. Na ja, wäre Abschied ein bisschen wie sterben, könnte das<br />
auch bedeuten, dass dabei Teile ihres Körpers abstürben, zum Beispiel<br />
große Aggregate von Gehirnzellen, - etwa vielleicht nach einem<br />
Alkohol-Exzess. Doch Frau Keller wollte sich nicht besaufen.</p>
<p>Susanne Keller war Mitte Fünfzig, hatte eine gepflegte Erscheinung,<br />
war stets elegant gekleidet und verwendete starke Parfums. Sie hatte<br />
lange, wellige brünette Haare, und ihr leicht gebräuntes Gesicht war<br />
immer noch hinreißend schön, trotz der Falten, die es schon<br />
aufwies. Sie hatte große braune Augen, beinahe Glubschaugen, die durch<br />
rund gewölbte Augenbrauen zusätzlich betont wurden. Um ihren Mund, der<br />
sinnliche Lippen hatte, zog sich meistens ein kleines Lächeln, das<br />
jedoch in einem seltsamen Gegensatz stand zum eher traurigen Ausdruck<br />
ihrer Augen. Lächelnd blickte Frau Keller auf eine Ratte, die am<br />
Fußboden entlang lief. Sie bewohnte damals eine kleine Sozialwohnung<br />
in einem Plattenbau in Duisburg, war jedoch im Begriff aus Duisburg zu<br />
verschwinden. Sie sah nun eine Gelegenheit, der Stadt endlich mal eins<br />
auszuwischen. Sie kaufte einige Portionen billiges Fleisch und legte<br />
es in verschiedene Ecken ihrer Wohnung aus, um es dort verfaulen zu<br />
lassen. Draußen hatte sie zufällig eine halb verweste tote Katze<br />
gefunden und den Kadaver heimlich in die Wohnung transportiert, um<br />
eine Fliegenplage zu gewährleisten. Außerdem kaufte sie aus einem<br />
Zoogeschäft mehrere Ratten und setzte sie in der Wohnung aus. Die<br />
Leute sollten lange Gesichter machen, wenn sie einige Monate später<br />
nach dem Rechten sehen würden! Ein schönes Chaos dürften sie dann<br />
vorfinden. Frau Keller ging zur Spüle, zum Waschbecken und zur<br />
Badewanne und drehte die Wasserhähne auf. Nun würde das Trinkwasser<br />
monatelang aus der Leitung fließen, ohne je genutzt zu werden - eine<br />
sinnlose Verschwendung von Umweltressourcen. Pro Stunde flössen<br />
mindestens 30 Liter Wasser aus dem Hahn, also immerhin 720 Liter am<br />
Tag. Aber bezahlen täte Frau Keller das nie, denn man würde sie nie<br />
erwischen. Ökologische Nachhaltigkeit war nicht gerade ihr<br />
Steckenpferd.</p>
<p>Sie öffnete die Haustür, trat ins Treppenhaus, ließ die Tür ins<br />
Schloss fallen und drehte den Schlüssel zweimal herum. So, nun war das<br />
System da drinnen weitgehend abgeschlossen und sich selbst<br />
überlassen. Fröhlich pfeifend betrat Frau Keller den Fahrstuhl und<br />
fuhr hinunter. Im Erdgeschoss begegnete sie Frau Adorno, die gerade<br />
einen Feudel aus einem Eimer Wasser tauchte und auswrang, um damit die<br />
Treppe aufzuwischen.</p>
<p>&quot;Guten Tag, Frau Adorno. Na, geht es Ihnen wieder besser?&quot;</p>
<p>&quot;Ach, guten Tag Frau Keller. Ja, mein Hausarzt war gestern da und hat<br />
gesagt, dass die Hüftoperation gut verheilt ist. Die Krankengymnastin<br />
sagt auch, dass ich große Fortschritte mache. Es geht wieder<br />
aufwärts.&quot;</p>
<p>&quot;Na prima, das freut für mich Sie.&quot;</p>
<p>Frau Keller trat einen beschwingten Schritt ins Freie. Draußen war ein<br />
paradiesisches Wetter; die Sonne schien, und der Himmel war blau und<br />
barg strahlend weiße Wolken. Und auch Frau Keller wirkte heiter. Kein<br />
Mensch konnte ahnen, dass Susanne Keller eine sterbende Sonne war und<br />
dass ein tödliches schwarzes Loch im Kern ihrer Seele tobte. Sie ging<br />
zu ihrem roten Mercedes und stieg ein.</p>
<p>Kapitel 2<br />
---------</p>
<p>Währenddessen schlenderte Thomas Herzbaum durch die Innenstadt<br />
Duisburgs. Er gelangte in die Fußgängerzone. Da gerade Samstag war,<br />
tummelten sich dort viele Menschen um Einkäufe zu erledigen, doch die<br />
Atmosphäre war entspannt und wurde noch veredelt durch die<br />
melancholische Musik, die ein französischer Straßenmusikant auf seinem<br />
Akkordeon spielte. Die Sonne war angenehm.</p>
<p>Thomas Herzbaum war siebzehn Jahre alt, dünn und schlaksig und hatte<br />
einen ovalen Kopf, der zum Kinn hin spitz zulief. Er hatte ein blasses<br />
Gesicht mit dunklen Haaren, einer auffallend hohen und breiten Stirn,<br />
kleinen Schlitzaugen, unter denen stets dunkle Ringe waren, eine lange<br />
Nase und einen kleinen Mund mit schmalen Lippen. Sein dunkles Haar war<br />
buschig, reichte jedoch nur bis zu seinen großen Ohren, denn es war am<br />
Hinterkopf abrupt abgeschnitten. Der halbe Hinterkopf war<br />
ausrasiert. Er hatte sich diese Frisur erst vor kurzem machen lassen<br />
und sich gerade daran gewöhnt.</p>
<p>Als er durch die Fußgängerzone schritt, erblickte Thomas zu seiner<br />
Rechten einen Bettler, der auf dem Boden hockte und die Passanten hin<br />
und wieder ansprach. Vor ihm lag ein Hut zum Einwerfen der Almosen und<br />
ein Pappschild mit der Aufschrift: &quot;Habe Arbeit und Wohnung verloren<br />
und bin körperbehindert. Bin dankbar für jede Hilfe.&quot; Der Bettler war<br />
verwahrlost und hatte schmutzige Kleidung. Mit Unbehagen ging Thomas<br />
an ihm vorbei. Einerseits hatte Thomas Mitleid, andererseits jedoch<br />
Hemmungen, dem Bettler Geld zu geben. Würde der Bettler das Geld nicht<br />
einfach nur versaufen? Doch die eigentliche Hemmung verspürte Thomas<br />
bei der Vorstellung, vor dem Bettler stehen zu bleiben und von oben<br />
herab Münzen in den Hut zu werfen. Wie peinlich das doch wäre, wie<br />
würdelos! Wie sähe das denn aus, wenn man ihn dabei beobachtete? Ein<br />
bisschen leichter fiel es Thomas, einem Obdachlosen Geld zu geben,<br />
wenn der ihm gegenüber stand.</p>
<p>Thomas war ein bedächtiger Junge und hatte die Aura eines gescheiterten Heiligen. <br />
Er hatte einen Heiligenschein, jedoch nicht am Kopf sondern am Hintern. <br />
Ein feinstofflicher Ring aus Energie verlief um seinen nervösen Arsch. <br />
Beim Gehen hatte Thomas meistens eine leicht gekrümmte Haltung, <br />
und sein Oberkörper schwingte etwas dabei. Diese verhaltene Gangart <br />
entsprang seiner unbewussten Angst vor dem S.xualtrieb, <br />
der sich in seiner Hüfte zu konzentrieren schien.<br />
Er blieb vor einem Tchibo-Geschäft stehen und starrte auf das<br />
Schaufenster, das putzig dekoriert war mit Kaffee-Packungen, einigen<br />
Haushaltsgeräten und edler Bekleidung. Im Glas des Schaufensters sah<br />
er ein verschwommenes Spiegelbild seiner selbst. &quot;Jetzt macht mal<br />
endlich was gegen eure Hemmungen, verdammt noch mal!&quot;, sagte er in<br />
Gedanken zu sich selbst. In Selbstgesprächen pflegte Thomas den Plural<br />
zu benutzen: Er sagte nicht &quot;ich&quot; sondern &quot;wir&quot;, oder er sprach sich<br />
selbst in der Mehrzahl mit &quot;ihr&quot; an.</p>
<p>Thomas suchte immer wieder neue Erfahrungen, <br />
wobei ihm allerdings klar geworden war, <br />
dass er dazu erst seine Grundeinstellung ändern musste. <br />
Das ging nicht ohne Überwindung. Also kehrte Thomas um <br />
und ging zurück zur Stelle, wo der Bettler saß. <br />
Betont langsam und bewusst ging er auf den Bettler zu, <br />
blieb vor ihm stehen und sagte zu ihm: &quot;Hallo, ich habe hier was für dich.&quot; <br />
Er griff in seine Hosentasche, zog mit übertriebener Grazie <br />
seinen Geldbeutel heraus und gab dem Bettler einen Euro und fünfzig Cent. <br />
Dann ging er weiter. Na bitte, - ging doch!<br />
Thomas schlenderte weiter durch die Fußgängerzone. Vor ihm gingen ein<br />
Mann mit seiner Freundin, beide Hand in Hand mit einander. Der Mann<br />
griff seiner Freundin in eine Pobacke, worauf ihr knackiger Hintern<br />
reflexartig aufzuckte und sie kurz auflachte. Die Welt war schön! Als<br />
Thomas an einem Computer-Laden vorbeikam, überlegte er, ob er sich<br />
dort noch umschauen sollte, beschloss jedoch, seinen Spaziergang<br />
fortzusetzen. </p>
<p>Er bog in eine ruhige Seitenstraße ab und die Erlebnisse <br />
der letzten Woche gingen ihm durch den Kopf. <br />
&quot;Finger weg von der Muschi!&quot;. Die Stimme des Mädchens war noch <br />
in seinen Ohren. Er hatte sich angeschickt, <br />
sie auch zwischen den Beinen zu verwöhnen, <br />
doch sie hatte ihn angewidert abgewiesen. <br />
Daraufhin war er derart erschrocken, <br />
dass er kaum noch richtig weiter machen konnte. <br />
Trotzdem hatte er ein geiles Gefühl, als die Nutte auf ihm ritt. <br />
Nach der Ejakulation fühlte er sich allerdings etwas klamm. <br />
Der Liebesakt war insgesamt eher enttäuschend: atavistisch und geil zwar, <br />
doch gleichzeitig auch demütigend und zwanghaft. <br />
Die Zeitbeschränkung auf zwanzig Minuten war zu ernüchternd. <br />
Dieser dubiose Akt brachte nicht die neue Erfahrung, <br />
die er sich erhofft hatte; und es war für ihn doch beschämend, <br />
ein Liebesspiel gekauft zu haben. Freilich schwelten weiterhin diverse <br />
Fantasien in ihm, und bei den meisten war er das Lustobjekt erfahrener Frauen.<br />
Er bekam Hunger. &quot;Nun hauen wir uns mal was rein&quot;, sagte er zu sich selbst, <br />
als er an einem Bistro vorbeikam. Ein Croque mit Schinken und Ananas wäre gar nicht schlecht.</p>
<p>Kapitel 3<br />
---------</p>
<p>Gerade als Thomas das Bistro betrat, das sich &quot;Bistro Schmimanski&quot;<br />
nannte, fuhr ein roter Mercedes heran und parkte davor. Ihm entstieg<br />
Frau Keller, die ebenfalls ins Bistro hinein ging. Drinnen saß ein<br />
dunkelhaariger Mann mit Halbglatze in einem Rollstuhl, ein älterer<br />
Herr, der sich mit einer Frau unterhielt, die um die fünfzig war,<br />
robust gebaut, mit langen gelockten rötlichen Haaren, wachen grünen<br />
Augen und schiefen Zähnen in einem freundlichen Gesicht, an dem große<br />
Ohrringe mit Edelstein-Imitaten lustig herum baumelten. Sie trug<br />
Turnschuhe und war in Hanf gekleidet, mit einer weiten Hose und einer<br />
kurzen Strickjacke, die ihre üppigen Busen verhüllte. Das Bistro war<br />
hell und freundlich eingerichtet. Die Wände waren mit Filmszenen<br />
bemalt, die Tatort-Filmen entnommen waren und den Kommissar Schimanski<br />
lebensgroß in Aktion zeigten.</p>
<p>Als die Frau mit den lockigen rötlichen Haaren merkte, dass Thomas<br />
eintrat, beendete sie das Gespräch mit dem Mann im Rollstuhl und ging<br />
hinter die Theke. Sie war die Besitzerin des Bistros. Thomas hatte<br />
schon die Gier in den Augen, so groß war sein Heißhunger.</p>
<p>&quot;Einen Croque mit Schinken und Ananas wollte ich gerne.&quot;</p>
<p>&quot;Auch was zu trinken?&quot;</p>
<p>&quot;Eine Fanta.&quot;</p>
<p>Die mütterlich anmutende Frau rief jemandem in der Küche, der Mariano<br />
hieß, die Bestellung zu und sagte Thomas, er müsse noch 5-10 Minuten<br />
warten. Das starke Parfum von Frau Keller versetzte Thomas in Trance.</p>
<p>&quot;Ich nehme dasselbe wie der junge Mann da&quot;, sagte Frau Keller lächelnd.</p>
<p>Für etwa zwei Minuten standen sie alle schweigend herum, der Mann im<br />
Rollstuhl, Thomas Herzbaum, Frau Keller und die<br />
Bistro-Besitzerin. Gedankenverloren starrte Thomas eine Wand an, auf<br />
der sich eine große Filmszene befand: Schimanski, in der Hocke<br />
sitzend, schoss aus der Drehung während hinter ihm der dicke Tanner in<br />
Deckung gegangen war und bäuchlings am Boden lag. Thomas begann eine<br />
Konversation.</p>
<p>&quot;Warum eigentlich kann man hier nicht sitzen?&quot;</p>
<p>&quot;Na ja, es gibt Gewerbe-Vorschriften, sagte die Bistro-Frau.</p>
<p>Frau Keller schaltete sich ein: &quot;Nun seien Sie mal ehrlich: Diese<br />
Vorschriften sind doch absurd. Wenn ich zu McDonald's gehe, kann ich<br />
mich an einen Tisch setzen und in Ruhe speisen, - aber hier muss ich<br />
stehen während ich mein Essen herunter schlinge.&quot;</p>
<p>&quot;Ja, wer denkt sich diese Vorschriften aus? Was sind das bloß für<br />
Hirnies!&quot;, stimmte Thomas zu.</p>
<p>&quot;Natürlich bin ich nicht begeistert davon... Doch Fred ist uns allen<br />
gegenüber im Vorteil&quot;, sagte die Bistro-Besitzerin, während sie<br />
verlegen lächelnd mit dem Finger auf den Mann im Rollstuhl<br />
deutete. &quot;Er kann immer und überall sitzen.&quot;</p>
<p>&quot;Ja, ja...&quot;, murmelte Fred.</p>
<p>Thomas bemerkte nun das T-Shirt, das Fred trug. In weiß auf schwarz<br />
waren darauf vertraute Symbole aufgedruckt: ein großes Alpha und ein<br />
großes Omega, ineinander verschränkt, und ein Kreuz.</p>
<p>&quot;Sie sind ein Jesus-Freak!&quot;, stellte Thomas fest.</p>
<p>&quot;Wie bitte? Was ist Fred?&quot;, fragte die Bistro-Besitzerin.</p>
<p>&quot;Ein Jesus-Freak! Ich war mal an einem von euren Abhäng-Abenden<br />
dabei. &quot;War echt cool.&quot;</p>
<p>&quot;Ach, meinst du mein T-Shirt? Das hat mir jemand geschenkt&quot;, sagte<br />
Fred.</p>
<p>&quot;Ihr seid also keine Jesus-Freaks?&quot;</p>
<p>&quot;Jesus! Hör mir bloß damit auf. Ich bin nicht religiös. Das<br />
Christentum hat Schattenseiten, die mir nicht gefallen. Zum Beispiel<br />
ist es eine Ursache für den Antisemitismus.&quot;</p>
<p>&quot;Wieso?&quot;</p>
<p>&quot;Na, überleg doch mal. Woher kommt der Antisemitismus? Seit wann gibt<br />
es den eigentlich?&quot;</p>
<p>&quot;Ich weiß nicht genau&quot;, überlegte Thomas. &quot;Vor etwa 10 000 Jahren<br />
jedenfalls kann es keinen Antisemitismus gegeben haben, weil es in<br />
jener Zeit noch keine Juden gab. Vor etwa 3 000 Jahren gab es in<br />
Palästina das auserwählte Volk Jahwes, die Juden.&quot;</p>
<p>&quot;Zehntausend Jahre, dreitausend Jahre...&quot;,sagte Fred. &quot;Das sind doch<br />
Ewigkeiten! Das sind derart lange Zeiträume, dass sich die kein Mensch<br />
mehr vorstellen kann. Zehntausend Jahre, das sind mindestens 200<br />
Generationen, und dreitausend Jahre, das sind immerhin schon 60<br />
Generationen, wenn wir mal annehmen, das ein Menschenleben im<br />
Durchschnitt 50 Jahre währt. Richtig anschaulich vorstellen kann sich<br />
ein Mensch jedoch nur eine Zeitspanne von maximal 100 Jahren. Aber ich<br />
habe dich unterbrochen. Also, wie ging es dann weiter?&quot;</p>
<p>&quot;Wir entnehmen der Bibel, dass dann Jesus kam, der Messias und<br />
Erlöser, der für uns am Kreuz starb und unsere Sünden<br />
entsorgte. Irgendwann danach müsste der Antisemitismus entstanden<br />
sein, wie wir ihn noch heute in Europa vorfinden. Denn die Antisemiten<br />
behaupten, dass die Juden Christus ans Kreuz genagelt hätten und die<br />
Blockierer der Erlösung seien. Ferner sagen die Antisemiten, dass die<br />
Juden traditionell mit Geldangelegenheiten und Zinsen vertraut seien,<br />
- ein Klischee, das aus Gepflogenheiten des Mittelalters stammt, so<br />
viel ich weiß.&quot;</p>
<p>&quot;Na also, da haben wir's. Das Christentum ist ein wesentlicher<br />
Ursprung des Antisemitismus.&quot;</p>
<p>&quot;Na ja, ob man das so hart sagen kann, weiß ich nicht... Aber ich habe<br />
mit der Bibel auch ein Problem, das ist die Sache mit Judas und der<br />
Vorsehung. Wie konnte von vornherein fest stehen, dass Judas der<br />
Verräter von Jesus war? Das bedeutet ja, dass Judas keinen freien<br />
Willen hatte! Und so was soll ich glauben? Das habe ich noch nie<br />
kapiert.&quot;</p>
<p>&quot;Das ist das klassische Problem der Willensfreiheit. Du kannst mich<br />
übrigens duzen, ich heiße Fred.&quot;</p>
<p>&quot;Danke. Ich heiße Thomas. Und ihr anderen, wer seid ihr?&quot;</p>
<p>&quot;Nenn mich Tina&quot;, sagte die Bistro-Besitzerin.</p>
<p>&quot;Ihr seid vielleicht Typen...&quot;, sagte Frau Keller und lächelte.</p>
<p>&quot;Tja, das Problem des freien Willens ist hochaktuell&quot;, sagte<br />
Fred. &quot;Neueste Erkenntnisse aus der Gehirnforschung besagen nämlich,<br />
dass der freie Wille in sehr vielen Fällen eine Illusion ist. Nachdem<br />
ich irgend eine Entscheidung getroffen habe, gaukelt mein Gehirn mir<br />
vor, dass ich diese Entscheidung aus freiem Willen getroffen hätte, -<br />
was falsch ist.&quot;</p>
<p>&quot;Einen Moment mal. Sie meinen also tatsächlich: Wenn ich glaube, dass<br />
ich mich auch anders hätte entscheiden können in einer bestimmten<br />
Situation, dann täusche ich mich. Habe ich Sie richtig verstanden?&quot;,<br />
fragte Frau Keller.</p>
<p>&quot;Genau. Ach übrigens, duzt mich doch bitte alle, das ist einfach<br />
lockerer. Tja, es ist sogar möglich, dass es überhaupt keinen freien<br />
Willen gibt! Die Gehirnforschung liefert in letzter Zeit viele<br />
merkwürdige Ergebnisse. Habt ihr euch schon mal gefragt, wie ein<br />
spontaner Gedanke entsteht? Wenn dir irgend was einfällt, inwieweit<br />
ist das dann dein Gedanke?&quot;</p>
<p>&quot;Boah, vielleicht zu 2 oder 3 Prozent ist das originär mein Gedanke&quot;,<br />
meinte Thomas. &quot;Es gibt so vieles, was ich unbewusst aus den Medien<br />
und meiner sozialen Umwelt in mich aufnehme.&quot;</p>
<p>&quot;Und nicht nur das. Die Hirnforscher vermuten, dass das Ich eine<br />
einzige große Illusion ist. Das Gefühl, eine Identität zu haben und<br />
ein Selbst zu sein, ist eine Hilfskonstruktion des Gehirns.&quot;</p>
<p>&quot;Mein Selbst, eine Illusion? Unsinn! Das Selbst ist doch gerade etwas,<br />
was mich zum Menschen macht. Die meisten Tiere haben kein Bewusstsein<br />
von sich selbst. Erst bei Affen zeigt sich so etwas, - man hat<br />
festgestellt, dass sie sich selbst im Spiegel erkennen können.&quot;</p>
<p>&quot;Ja, aber wozu ist das nütze?&quot; Auch ohne ein Bewusstsein seiner Selbst<br />
kann ein Lebewesen durch die Evolution schreiten.&quot;</p>
<p>&quot;Könnte man das Bewusstsein von sich selbst irgend wie ausschalten,<br />
zum Beispiel mit Drogen?&quot;, fragte Thomas.</p>
<p>&quot;Weiß ich nicht. Könnte sein, aber mir sind bisher keine Fälle<br />
bekannt. Aber lasst mich noch noch mal auf das Christentum<br />
eindreschen. Es trägt eine weitere Widersprüchlichkeit in sich: die<br />
Dreifaltigkeit Gottes. Haben die Muslime nicht Recht, wenn sie die<br />
Falschheit der Christen beklagen, eine Dreifaltigkeit anzubeten,<br />
nämlich sowohl Gott als auch Gottes Sohn Jesus und auch noch den<br />
Heiligen Geist? Die Katholiken beten sogar die heilige Jungfrau Maria<br />
an und sprechen verstorbene Helden heilig, und außerdem gibt es noch<br />
die Erzengel. Im Grunde ist das schon Götzentum, - nichts als ein<br />
Abklatsch der antiken Religionen der Römer und Griechen.&quot;</p>
<p>Die Croques waren fertig. Tina, die Bistro-Besitzerin, reichte sie<br />
rüber. Thomas begann vorsichtig, ein Stück von seinem Croque<br />
abzubeißen. Frau Keller verlangte Besteck und zündete sich eine<br />
Zigarette an.</p>
<p>&quot;Aber die Moslems sind doch auch Judenhasser, jedenfalls im<br />
Allgemeinen&quot;, wandte Thomas ein.</p>
<p>&quot;Aber zumeist aus anderen Gründen, so weit ich weiß, und außerdem habe<br />
ich ja nur gesagt, dass ich das Argument der Moslems vernichtend<br />
finde, nicht aber, dass der Islam eine gute Religion ist. Der Islam<br />
ist mindestens genau so schlimm wie das Christentum. Alle Religionen<br />
sind Sch...! Ich bin Agnostiker.&quot;</p>
<p>Frau Keller sagte: &quot;Wie leicht und locker du das sagst... Doch was ist<br />
wenn du tot bist? Was kommt dann?&quot;</p>
<p>Kapitel 4<br />
---------</p>
<p>&quot;Und wenn ihr tot seid? Häh?&quot;</p>
<p>Frau Keller lachte. &quot;Dann ist Endstation. Da fällt mir übrigens ein<br />
Witz ein.&quot;</p>
<p>Auf Drängen aller erzählte Frau Keller ihren Witz: Ein junger Mann<br />
namens Hans wohnt in einem Hochhaus in Duisburg. Mitten in der Nacht<br />
steht Hans auf, zieht sich an und geht auf die Straße. An einer<br />
Bushaltestelle begegnet er Lucifer, dem gefallenen Engel. Lucifer<br />
spricht: &quot;Fürchte dich nicht, Hans. Sage mir nur: Wie spät ist es?&quot;<br />
Hans antwortet: &quot;Es ist halb drei.&quot;<br />
&quot;Danke für nichts&quot;, sagt Lucifer. &quot;Hör mal, ich habe ein Geschenk für<br />
dich. Du kannst zwischen zwei Möglichkeiten wählen:<br />
a) Ewig frieren, aber dafür ewig leben,<br />
b) Leben wie bisher, aber danach unendlich lange tot sein.<br />
Ich gebe dir zwanzig Minuten Bedenkzeit.<br />
Hans fragt: &quot;Wie ist das mit dem Frieren? Wie kalt werden die Schauder sein, <br />
die mir ewig über den Rücken laufen werden? Darf ich mal probefrieren?&quot;<br />
Da spricht Lucifer: &quot;Du stellst zu viele Fragen, du dämlicher<br />
Lümmel. Ich gehe jetzt wieder. Doch nimm diese kleine Gabe von<br />
mir.&quot;<br />
Während Hans benebelt da steht, hebt Lucifer einen Gulli-Deckel hoch,<br />
verwandelt sich in eine Schlange und kriecht in die Kanalisation. Als<br />
Hans aus seinem Traum erwacht, hält er eine Gummipuppe in seinen<br />
Händen.</p>
<p>Niemand im Bistro konnte über den Witz richtig lachen. Alle fanden den<br />
Witz peinlich.</p>
<p>&quot;Hahaha&quot;, lachte Fred, eher aus Verlegenheit als aus Drang, &quot;ziemlich<br />
bizarrer Witz, aber etwas unausgegoren, oder? Irgendwie fehlt doch die<br />
Pointe.&quot;</p>
<p>&quot;Ich habe so einen ähnlichen Witz&quot;, sagte Tina.</p>
<p>&quot;Dann erzähl mal!</p>
<p>&quot;Also&quot;, begann Tina. &quot;Ein Mann macht Ferien auf dem Bauernhof. Eines<br />
Morgens sieht er zufällig, wie der Knecht auf den Hof kommt, der<br />
Bäurin unter den Rock langt, sich dann auf den Traktor setzt und<br />
davonfährt. Am nächsten Morgen liegt der Feriengast wieder auf der<br />
Lauer und - sieh da! - das gleiche Spielchen. So geht das jeden<br />
Morgen.</p>
<p>Am Tag seiner Abreise beschließt der Mann, den Bauern über die<br />
Seitensprünge seiner Frau aufzuklären. 'Bauer, deine Frau geht fremd!'<br />
'Wie kommen Sie denn darauf?'<br />
'Na - der Knecht langt ihr jeden Morgen untern Rock, bervor er mit dem<br />
Traktor auf den Acker fährt!'<br />
'Ach - wissen Sie&quot; lacht der Bauer, &quot;meine Frau hat ein Holzbein und<br />
an dem hängt der Traktorschlüssel.' &quot;</p>
<p>Es wurde gelacht.</p>
<p>Es folgte daraufhin ein Reigen von fiesen Witzen, schamlos vorgetragen<br />
von Tina, der Bisto-Besitzerin.</p>
<p>&quot;Eine neue Ökobar hat aufgemacht. Zwei junge Burschen gehen hin, um zu<br />
sehen, was angeboten wird. Die Kellnerin erscheint schneller als<br />
erwartet, und so antworten sie auf die Frage, was sie trinken möchten:<br />
'Zwei Glas Milch, bitte.'<br />
Die beiden staunen nicht schlecht, als die Bedienung ihre Bluse<br />
öffnet, sich ein Glas unter die Brust hält und zweimal kräftig<br />
drückt. Als sie auf diese Weise auch noch das zweite Glas gefüllt und<br />
sich dann wortlos entfernt hat, meint der eine:<br />
'Mann, bin ich froh, dass wir keinen Pflaumensaft bestellt haben!'</p>
<p>Hähähähähä. Hähähä.</p>
<p>&quot;Wie funktioniert der Öko-Vibrator?&quot; Hummel im Bambusrohr...&quot;</p>
<p>Hähähähähä.</p>
<p>&quot;Weshalb bekommt man bei der Samenbank fürs Spenden mehr ausgezahlt als bei der Blutbank? Weil alles handgemacht ist...&quot;</p>
<p>Hähähähä.</p>
<p>&quot;Warum kann Miß Piggy nicht bis 70 zählen? Weil sie bei 69 einen<br />
Frosch im Hals hat...&quot;</p>
<p>Hähähähä.</p>
<p>&quot;Spielen 2 Kinder im Sandkasten. Sagt das eine: ‚Wenn Du mir 'nen<br />
Kuß gibst, dann kriegst Du ein Gummibärchen.' Sagt das andere: ‚Gib<br />
mir die ganze Tüte, dann blas' ich Dir einen.'&quot;</p>
<p>Hähähähä.</p>
<p>&quot;Warum hat der Weihnachtsmann so einen großen Sack? Weil er nur einmal<br />
im Jahr kommt!&quot;</p>
<p>Hähähähä</p>
<p>&quot;Das kürzeste Märchen? - Bück dich Fee, Wunsch ist Wunsch!&quot;</p>
<p>Hähähähä.</p>
<p>&quot;Schon gut, schon gut&quot;, beeilte sich Frau Keller zu sagen. Ihr habt<br />
bessere Witze drauf. Aber nun ist gut.&quot;</p>
<p>Thomas wischte sich mit einer Serviette etwas Soße ab, die ihm<br />
zwischen die Finger gelaufen war und sagte: &quot;Ich muss sagen, dieser<br />
Croque schmeckt geil. Das ist der beste Croque meines Lebens. Ich<br />
schwöre bei der heiligen Klitoris der Jungfrau Maria, dass ich noch<br />
nie so einen gut schmeckenden Croque gegessen habe. Sagt mal Leute,<br />
was meint ihr: Kann eine Gesellschaft ohne Religion funktionieren,<br />
ohne eine Vorstellung vom Jenseits?&quot;</p>
<p>Kapitel 5<br />
---------</p>
<p>&quot;Damit gelangen wir zu den wissenschaftlichen Vorstellungen von der<br />
Lebensgestaltung. Hier war der Marxismus-Leninismus lange Zeit<br />
führend. Inzwischen hat der Marxismus weitgehend an Einfluss<br />
verloren. Die Linke ist in der Defensive...&quot;, sagte Fred.</p>
<p>&quot;Jeder Ismus ist Faschismus. Ich hatte schon immer den Eindruck, dass<br />
die Einteilung nach 'politisch links' oder 'politisch rechts'<br />
großer Quatsch ist. Wer sich nach rechts oder links orientiert,<br />
übernimmt bloß fremde Meinungen und ist im Grunde zu faul, selber zu<br />
denken&quot;, sagte Thomas.</p>
<p>&quot;Sei's drum. Jedenfalls muss man heute über die Dynamiken der<br />
Gesellschaft neu nachdenken, zum Beispiel über Geld und Arbeit&quot;,<br />
meinte Fred.</p>
<p>&quot;Ja, beim inzwischen verwesten Hodensack von Idi Amin Dada, - was ist<br />
eigentlich die Bedeutung von Geld?&quot;, fragte Thomas.</p>
<p>Man diskutierte darauf hin diese Frage. &quot;Lasst uns erst mal analytisch<br />
vorgehen&quot;, begann Fred. &quot;Wir reduzieren die Frage, was Geld ist, auf<br />
die einfachsten Beispiele, um eine Ahnung zu bekommen. Wo immer<br />
Menschen zusammen leben, gibt es ein Geben und Nehmen. Der Eine hat<br />
Etwas, was der Andere nicht hat, und ein Anderer wieder hat besondere<br />
Fähigkeiten für eine bestimmte Dienstleistung und so weiter. Das Geben<br />
und Nehmen von Gütern und Dienstleistungen wird durch Geld geregelt.&quot;</p>
<p>&quot;Geld hängt mit Arbeit zusammen&quot;, meinte Thomas. &quot;Im Schweiße ihres<br />
Angesichts müssen die Menschen die Natur kultivieren: Die Güter wollen<br />
erst mal erwirtschaftet werden, und auch die Dienstleistungen sind<br />
keine Selbstverständlichkeit.&quot;</p>
<p>&quot;Genau&quot;, stimmte Fred zu. &quot;Schau dich zum Beispiel um, wie sauber<br />
unser Bistro ist und welche Qualität die Croques haben. Um diesen<br />
Zustand der Ordnung aufrecht zu erhalten, ist beständige Arbeit<br />
notwendig. Würde niemand dafür arbeiten, wäre unser Bistro sich selbst<br />
überlassen und würde zerfallen: Die Lebensmittel würden vergammeln,<br />
Insekten würden sich darüber her machen, Dreck würde sich ansammeln<br />
und so weiter. Mit den Worten der Wissenschaft: Die Entropie kann nur<br />
zunehmen innerhalb eines Systems, das sich selbst überlassen ist. Also<br />
muss man ständig gegen die Entropie an arbeiten. <br />
Ein weiteres Beispiel bist du selbst. Dein Körper ist ein Tempel<br />
Gottes. Wenn du nur vor dich hin gammelst, ohne an deinem Körper zu<br />
arbeiten, das heißt, ohne regelmäßig Sport zu treiben, die Zähne zu<br />
putzen, das Gedächtnis zu beanspruchen usw. , - ja, dann wird die<br />
Entropie in deinem Körper zwangsläufig zunehmen. Das Herz, die Lungen<br />
und die Muskeln werden verkümmern, und die Wahrscheinlichkeit für eine<br />
Erkrankung steigt schneller an, als du wahr haben willst. Kurz gesagt:<br />
Man muss Körper und Geist fit halten.</p>
<p>Diese beiden Beispiele zeigen uns, dass die Einstellung stimmen muss,<br />
denn immer wieder muss man den inneren Schweinehund überwinden, um die<br />
Ordnung aufrecht zu erhalten. Selbstorganisation erfordert<br />
Selbstdisziplin. Damit das stabil funktioniert, organisieren wir die<br />
Arbeit in Zyklen und bauen Kontroll-Mechanismen ein. Eine der<br />
wichtigsten Kontroll-Mechanismen ist - das Geld.&quot;</p>
<p>Gelangweilt meinte Frau Keller: &quot;Aber das ist doch alles<br />
wohlbekannt. Das sind doch nur Gemeinplätze und Banalitäten. Man kann<br />
halt nicht Marzipan sch...n, - das wissen wir alle. Wie sollen wir<br />
damit auf neue Ideen kommen?&quot;</p>
<p><br />
Kapitel 6<br />
---------</p>
<p>&quot;Nicht so ungeduldig&quot;, entgegnete Fred. &quot;So ist nun einmal die<br />
reduktionistische Methode: Wir fangen mit ganz banalen Zusammenhängen<br />
an und arbeiten uns Schritt für Schritt vor, - gleich einer Schlange,<br />
die sich am Boden windet, die sozusagen in den Niederungen der<br />
Gemeinplätze kriecht. Später jedoch bekommt die Schlange Flügel, so<br />
wie die gefiederte Schlange Ketzalkoatl, die Gottheit, die die Azteken<br />
verehrten oder wie die Drachen der Chinesen. Die Schlange wird<br />
aufsteigen und fliegen, und dann sehen wir die Welt mit anderen<br />
Augen. Aber es gibt nichts umsonst, - du musst halt erst Dreck<br />
fressen, bevor du Erkenntnis erlangen kannst.&quot;</p>
<p>&quot;Also gut. Wir haben bereits zwei wichtige Funktionen des Geldes<br />
beschrieben: Erstens, die Regulierung des Gebens und Nehmens, und<br />
Zweitens, die Sicherstellung von Stabilität durch Kontrolle. Wie geht<br />
es weiter?&quot;, fragte Thomas.</p>
<p>&quot;Voraussetzung für das Geld ist der Begriff der Zahl: Die Menschen<br />
müssen zählen können. In fast allen Kulturen der Erde ist das heute<br />
der Fall. Die gesetzliche Anerkennung des Geldes, - seine Autorität, -<br />
bezeichnet man als die Härte der Währung. Zum Beispiel hat der<br />
US-Dollar eine besonders harte Währung, während Spielgeld, mit dem man<br />
kleine Kinder erzieht, eine sehr weiche Währung hat. Weiterhin kann<br />
der menschliche Geist die Zeit abstrahieren, so dass es auch Schulden<br />
und Zinsen gibt. Die Staatsverschuldung schließlich zählt zu den<br />
Mysterien, die nur eine Handvoll Menschen auf diesem Planeten<br />
verstehen, und das auch nur vage.&quot;</p>
<p>&quot;Also hör mal&quot;, sagte Thomas. &quot;Nun haben wir schon drei Begriffe:<br />
Geld, Arbeit und Einstellung oder Moral. Wir müssen aufpassen, dass<br />
wir diese Begriffe auseinander halten. Entscheidend sind doch die<br />
Einstellungen. Die Einstellungen sind das Primäre, und das Geld ist<br />
das Sekundäre.&quot;</p>
<p>&quot;Ja und Nein&quot;, meinte Fred. &quot;Geld entwickelt mit der Zeit ein<br />
Eigenleben. Mafia-Banden zum Beispiel können erbeutetes Geld waschen<br />
lassen. Fahre nach Moskau, wenn du wissen willst was Geld ist. Dort<br />
herrscht heute der gnadenlose Kapitalismus schlechthin. In der reichen<br />
Innenstadt von Moskau kann man alles kaufen was das Herz begehrt, wenn<br />
man genug Dollars hat, - und Vater und Mutter dazu. Doch außerhalb der<br />
Innenstadt liegen die Elendsquartiere, in denen die Armen hungern und<br />
frieren. In Moskau zählt allein das Geld. Wer kein Geld hat, ist<br />
buchstäblich ein Nichts.&quot;</p>
<p>&quot;Woher kommt eigentlich das Geld?&quot;, fragte Thomas.</p>
<p>&quot;Geld wird gedruckt. Früher war Geld noch eine Art Gutschein für Gold<br />
und repräsentierte ein Versprechen für Dienstleistungen oder<br />
Güter. Doch dann hat sich das Geld zu einer hochgradig abstrakten<br />
Größe entwickelt. Ich habe eben von der Währung des Geldes<br />
gesprochen. Der Wert des Geldes beruht auf Vertrauen. Sehr schnell<br />
kann die Währung absinken, wenn man nicht aufpasst. Das Ganze ist ein<br />
Spiel, das nur so lange funktioniert wie es genug Leute gibt, die<br />
mitspielen.&quot;</p>
<p>Es ergab sich eine längere Pause des Schweigens. Die Diskussion<br />
lieferte eine Ahnung von der Komplexität des Geldes, aber leider auch<br />
nicht mehr. </p>
<p>&quot;Kommen wir doch mal wieder zum Thema Arbeit zurück&quot;, sagte<br />
Thomas. &quot;Wir haben konstatiert, dass der Mensch die Natur `im Schweiße<br />
seines Angesichts´ kultivieren muss. Aber eigentlich ist das längst<br />
Vergangenheit. Heutzutage nehmen Maschinen uns einen großen Teil der<br />
Arbeit ab. Wer von uns wollte denn im Ernst in der Zeit von vor 200<br />
Jahren leben?&quot;</p>
<p>&quot;Ja. Im Prinzip ist die Technologie ein Segen, - mag sie auch ihre<br />
Schattenseiten haben. Die Technologie hat einen Großteil des Volkes<br />
von der Schwerstarbeit befreit; das ist unbestreitbar. Das ist auch<br />
der Grund, warum die Techno-Musik bei manchen Menschen so beliebt<br />
ist. Wenn wir auf irgend eine Techno-Veranstaltung gehen, wie zum<br />
Beispiel die Love-Parade, den Generation-Move oder Ähnliches, dann ist<br />
das eine Art Kulthandlung. Wir feiern die Befreiung aus den Fabriken,<br />
wenn wir uns mit Techno-Musik volldröhnen lassen und wie von Sinnen in<br />
der Gegend herum hopsen. Unsere Großväter mussten noch in Steinbrüchen<br />
das Erz heraus hauen, an Fließbändern stehen und giftige Dämpfe<br />
einatmen, doch allmählich entwickelten die Ingenieure effizientere<br />
Maschinen und machten damit die Welt menschlicher&quot;.</p>
<p>&quot;Na gut, aber was machen wir heute mit den Maschinen? Wir produzieren<br />
immer mehr Waren, und die Müllberge wachsen und wachsen...&quot;, sagte<br />
Thomas.</p>
<p>Kapitel 7<br />
---------</p>
<p>&quot;Das stimmt. Aber das ist nicht die Schuld der genial ausgeklügelten<br />
und raffinierten Maschinen. Wir Menschen bestimmen doch letztendlich,<br />
wie wir Maschinen einsetzen und was wir konsumieren. Wenn wir Flüsse<br />
vergiften, Wälder schänden und zu viel Müll produzieren, dann liegt<br />
das nur daran, dass unsere Einstellungen verkehrt sind. Die Maschinen<br />
jedoch sind wertfrei&quot;.</p>
<p>Fred erhob sich aus seinem Rollstuhl und ging ein paar Schritte auf<br />
und ab.</p>
<p>&quot;Ich dachte, du wärest gelähmt!&quot;, sagte Thomas erstaunt.</p>
<p>&quot;Fred ist kerngesund&quot;, sagte Tina lächelnd. &quot;Den Rollstuhl hat er<br />
geerbt, und er findet ihn ganz praktisch.&quot;</p>
<p>Als Thomas Herzbaum und Frau Keller ihre Croques aufgegessen hatten,<br />
verließen sie das Bistro. Auf der Straße kam Ihnen ein Mann entgegen,<br />
der um die 40 Jahre alt war, lockige, angegraute Haare hatte und eine<br />
runde Nickelbrille trug. &quot;Ach sieh da, Herzbaum...&quot;, zischte er<br />
abfällig und spuckte auf den Asphalt.</p>
<p>Es war Herr Schrödinger, ein Nachbar der Wohnung, in der Thomas<br />
Herzbaum vor einem Jahr bei seinen Eltern gewohnt hatte. Mit seiner<br />
abfälligen Bemerkung spielte er auf die Kurzgeschichte an, die Thomas<br />
Herzbaum vor kurzem in einigen Cafés veröffentlicht hatte. Die<br />
Handlung der Geschichte war primitiv. Ein Freundeskreis von 4 Schülern<br />
traf sich regelmäßig, um Drogen zu konsumieren, die Wechselwirkung von<br />
Geist und Materie zu diskutieren und schwarze Messen zu<br />
veranstalten. Einer von ihnen verliebte sich in eine ältere Dame,<br />
wusste jedoch nicht, dass sie verrückt war. Eines Tages wurde er von<br />
ihr in ihre Wohnung eingeladen, wo sie ihn mit Chloroform betäubte und<br />
fesselte. Als er aufwachte, war er wehrlos und wurde von ihr<br />
vergewaltigt. Um diesen Handlungs-Rahmen herum hatte Thomas diverse<br />
philosophische Gedanken gesponnen, und er hatte außerdem das labile<br />
Beziehungsgeflecht seines sozialen Umfeldes mit all seinen Lebenslügen<br />
aufgezeigt. Tatsächlich fühlten sich einige Leute von diesen Gedanken<br />
persönlich angegriffen, und so manches jahrelang konservierte<br />
Lügengebilde fiel in sich zusammen wie ein Kartenhaus.</p>
<p>Schon seit einigen Jahren hatte Thomas die Ideen für die<br />
Kurzgeschichte mit sich herum getragen, doch lange Zeit brachte er es<br />
nicht fertig, sie in eine Form zu gießen und zu Papier zu bringen. An<br />
einem langen Wochenende im November fing er dann doch damit an. Es war<br />
ungefähr so wie Erbrechen. Es war eine zähe Plackerei, und ihm war<br />
ständig übel dabei. Wenigstens bekam er nach und nach das Gefühl, sich<br />
zu &quot;reinigen&quot;. Aber er traute sich dann doch nicht, die Geschichte<br />
unter die Leute zu bringen.</p>
<p>Bis etwa einen Monat später Christoph wieder in Duisburg auftauchte,<br />
ein alter Freund, der vor ein paar Jahren nach Hannover umgezogen<br />
war. Christoph und Thomas trafen sich nachts in einer Kneipe, und<br />
Thomas gab ihm das Manuskript. &quot;Gar nicht so schlecht&quot;, fand<br />
Christoph. &quot;Mit etwas Technik könnte man die Geschichte allerdings<br />
noch verschärfen. Manchmal schreibst du zu geschwollen. Hier zum<br />
Beispiel...&quot;</p>
<p>Und dann... Welch eine Zauberei! Mit dem Streichen überflüssiger<br />
Wörter verbesserten sie das Machwerk zu einer Geschichte, die das<br />
Gehirn fickt. Schon eine Woche später hatte Thomas sie im Prinzip<br />
fertig geschrieben. Um noch mehr Drive zum Schreiben zu bekommen,<br />
besorgte Thomas sich Kokain. Er fuhr nach Frankfurt ins<br />
Bahnhofsviertel. Nebenbei versuchte er dort, seine Restbestände von<br />
Haschisch zu verscherbeln. Das Hasch hatte ihn einst zu neuen Ideen<br />
geführt, doch erwies es sich mit der Zeit als weniger förderlich. Zu<br />
sehr verstärkte es den Hang zur Schläfrigkeit, den Thomas schon seit<br />
jeher hatte. Nun aber sollte das Koka den Herzschlag kräftigen und<br />
dazu beitragen, dass Thomas kristallklare Gedankenpaläste erbauen<br />
würde, empor ragend aus dem seelischen Morast seines verdorbenen<br />
Geistes.</p>
<p>Das Frankfurter Bahnhofsviertel, - ein Eldorado der Geilheit. Eine<br />
Halbwelt im bunten Glitzerlicht der Porno-Läden, Animier-Bars und<br />
billigen Eros-Center. Hier fand er einige Junkies, die ihm Koka<br />
verkauften. Viel fehlte nicht, und er wäre vollends in den Strudel der<br />
Drogen-Szene hinein geglitten. Ah, diese durchgeknallten Weiber, diese<br />
verdammten Psychohühner, die ihn fragten, ob er nicht mal mit ihnen<br />
ins Hotel gehen würde, um sich Koka rein zu ziehen! Er riss sich<br />
halbwegs zusammen, obwohl es ihm sehr schwer viel. Er ging zwar noch<br />
mit einer Schlampe in eine Videokabine, und es verblüffte ihn, mit<br />
welcher Gewandtheit sie sein Glied in sich schob; - (bei jenem<br />
sittenwidrigen und scheinbar willenlosen Vorgang war der eigentliche<br />
Dreckskerl Thomas und nicht die süchtige Schlampe, dessen war er sich<br />
bewusst). Doch Weiteres unterließ er. Beim Drogendeal jedenfalls hatte<br />
er unverschämtes Glück, denn er bekam eine beträchtliche Menge Kokain<br />
und nahm es mit nach Hause.</p>
<p>Wo er sich dann in einen Rausch schrieb. Er brachte die Kurzgeschichte<br />
unter Pseudonym zum Abschluss, und die Atombombe ging hoch. Später kam<br />
es jedoch raus, - leider, - dass Thomas der Autor war. &quot;Haben Sie das<br />
geschrieben?&quot;, fragte ihn Herr Schrödinger eines Tages, als sie sich<br />
im Treppenhaus begegneten. Thomas wollte es zunächst abstreiten, denn<br />
es war ihm wahnsinnig peinlich, aber es half nichts. Von nun an musste<br />
er mit diesem Stigma leben. Es war fast so schlimm wie eine<br />
Gesichts-Tätowierung, die man nicht mehr rückgängig machen<br />
konnte. Seine Eltern waren fassungslos ob dieser Schande. &quot;So was<br />
schreibt mein Sohn? Mein Sohn? Ab heute kenne ich dich nicht mehr. Für<br />
mich bist du tot!&quot;, sagte sein Vater zu ihm. Seine Mutter weinte<br />
bitterlich, verfiel in Depressionen und nahm sich schließlich das<br />
Leben. Auch sein Bruder und alle anderen Leute wollten nichts mehr mit<br />
ihm zu tun haben. </p>
<p>&quot;Wer war das denn?&quot;, fragte Frau Keller.</p>
<p>&quot;Ach der. Das ist ein Spinner. Bitte kümmern Sie sich nicht weiter<br />
darum&quot;, sagte Thomas.</p>
<p>Frau Keller lud Thomas ein, in ihren roten Mercedes einzusteigen. Sie<br />
öffnete Thomas die Beifahrertür, und als er sich bückte um<br />
einzusteigen, griff sie ihm von hinten zwischen seine Beine. Dann<br />
fuhren sie los.</p>
<p>Kapitel 8<br />
---------</p>
<p>Sie fuhren etwa eine halbe Stunde auf der Landstraße. Im Autoradio<br />
sprach man über die Gefahr des globalen Terrorismus. Als sie unter<br />
einer Brücke fuhren, sagte Thomas: &quot;Wenn man nachts auf diese Brücke<br />
geht und Steine von ihr herunter wirft, kann man einen Zufallsmord<br />
begehen ohne jemals erwischt zu werden.&quot;</p>
<p>Frau Keller schwieg.</p>
<p>Sie kamen an einem Billardcafe vorbei. Frau Keller fuhr den Wagen auf<br />
einen Parkplatz und sagte: &quot;Ich muss mal pissen. Kommst du mit?&quot;</p>
<p>&quot;Ja. Man wie sieht das Haus hier krass aus. Das würde ich mir kaufen,<br />
wenn ich im Lotto gewonnen hätte.&quot;</p>
<p>&quot;Finanzielle Unabhängigkeit ermöglicht ein Leben in Autonomie!&quot;</p>
<p>&quot;Ja, da hätte ich ein konkret selbstbestimmtes Leben: den ganzen Tag<br />
nur fernsehen, Video spielen, fressen, f...n, sch...n und<br />
schlafen. Und wenn es nach 80 Jahren dem Verrecken zu geht, dann ist<br />
eben Ende mit Abfeiern.&quot;</p>
<p>Sie betraten das Billardcafe und gingen zu den Toiletten. Thomas<br />
spürte schon die ganze Zeit ein leichtes Ziehen in den Gedärmen. Er<br />
setzte sich auf die Klobrille und vertiefte seinen Blick in eine<br />
Telefonnummer, die an die Scheißhaustür geschrieben war. Um das<br />
Sch...n anzuregen, zündete er sich eine Zigarette an. Auf der Klotür<br />
stand ganz unten noch etwas geschrieben, so dass er sich ziemlich weit<br />
vorbeugen musste um es zu lesen. Darauf stand: &quot;Sie sch...n jetzt in<br />
einem Winkel von 45 Grad.&quot;</p>
<p>Dann saßen Frau Keller und Thomas wieder im roten Mercedes. &quot;Was<br />
machen wir jetzt?&quot;, fragte Thomas.</p>
<p>&quot;Wir fahren zu mir nach Hause. Warte mal einen Augenblick. Ich<br />
hole den Stadtplan aus dem Kofferraum raus.&quot;</p>
<p>Während Frau Keller zum Kofferraum ging, versuchte Thomas, im<br />
Autoradio einen anderen Sender einzustellen und drückte ein paar<br />
Tasten. &quot;Mal sehen, ob es nicht einen Sender gibt, der vernünftige<br />
Mucke abstrahlt...&quot;, murmelte er vor sich hin. Er fand einen Oldie,<br />
das Lied &quot;Hotel California&quot; von den Eagles. &quot;Geil, ein echter<br />
Evergreen, dieses Lied&quot;, sagte Thomas noch, als er plötzlich spürte,<br />
wie sich ein feuchtes Tuch gegen sein Gesicht presste, so dass ihm<br />
zunächst der Atem stockte. Es roch fürchterlich nach Chemie. Und dann<br />
wurde mit einem Mal alles schwarz und Thomas war weg.</p>
<p>Als Thomas wieder aufwachte, stand er angekettet an einer Wand und<br />
erblickte Frau Keller, die auf einem schwarzen Ledersessel saß. Frau<br />
Keller war auffällig geschminkt, hatte entblößte Brüste und trug enge<br />
schwarze Gummihosen und Reitstiefel. Thomas war splitternackt.</p>
<p>&quot;Hey, was soll das?&quot;, fragte Thomas noch völlig benommen.</p>
<p>Frau Keller stand auf, stellte sich vor ihm, kraulte mit ihren langen<br />
Fingernägeln seine Haut und leckte mit ihrer Zunge an seinen<br />
Brustwarzen. Schon begann sein Glied sich aufzurichten.</p>
<p>&quot;Lass doch den Unsinn, bind mich los&quot;, stammelte Thomas, obwohl er gleich merkte, dass diese Worte überflüssig waren in Anbetracht dieser bizarren Situation.<br />
Im Sado-Maso-Zimmer ihrer neuen Wohnung hatte Frau Keller wieder<br />
einmal einen Sklaven unter ihre Kontrolle gebracht. Er würde ihr<br />
sicher noch ein oder zwei Monate Vergnügen bereiten. Die neue Wohnung<br />
von Frau Keller befand sich in einem Randgebiet von Düsseldorf, in der<br />
Nähe des Flughafens. Thomas sollte nicht der Letzte sein, der dort<br />
endete. In jenem Tal der Träume.</p>
<p>Es ist eine Binsenwahrheit, dass die stärkste Glücksempfindung dem<br />
evolutionären Zwang zur Arterhaltung entspringt. Viele verirrte Seelen<br />
versuchen, ihr körpereigenes Belohnungssystem auszutricksen, indem sie<br />
die schönste Sache der Welt in unnütze Sado-Maso-Spiele verkehren und<br />
ihr Erleben mit Drogen beeinflussen.</p>
<p>Kapitel 9<br />
---------</p>
<p>Es war etwa ein Monat vergangen, seitdem Frau Keller aus ihrer Wohnung<br />
ausgezogen war. Die Wohnung lag im 15. Stockwerk des Plattenbaus. Es<br />
ergab sich, dass ein neuer Mieter in die Wohnung nebenan einzog:<br />
Fabian Romanowski, ein 29 Jahre alter Soziologiestudent, ein langer<br />
schlanker Mann mit Glatze, blauen Augen und heller Kleidung. Meistens<br />
trug er eine weiße Jogginghose, ein weißes Sweatshirt und ein rotes<br />
Halstuch.</p>
<p>Er brauchte etwa eine Woche, um sich einzurichten. Ihm fiel auf, dass<br />
Frau Adorno, die unten im Erdgeschoss lebte, einen Putzfimmel hatte,<br />
aber die Leute in den oberen Stockwerken zur Verwahrlosung<br />
neigten. Mit zunehmender Höhe des Stockwerks sank die Moral der<br />
Bewohner ab, so erschien es ihm.</p>
<p>Was ist Moral? Fabian Romanowski kraulte sich mit der rechten Hand<br />
seinen Glatzkopf und dachte nach. Im Gegensatz zum Tier, das sich<br />
unbewusst verhält, handelt der Mensch bewusst und trifft<br />
Entscheidungen. Er muss Entscheidungen treffen, ob er es will oder<br />
nicht. Auch keine Entscheidung zu treffen ist schon eine Entscheidung.</p>
<p>Man unterscheidet Moral und Ethik, zwei Begriffe, die der lateinischen<br />
und altgriechischen Sprache entstammen. Die Moral ist der Grundsatz,<br />
nach dem der Mensch handelt. Die Ethik stellt die Frage nach der<br />
Bedeutung, Geltung und Begründung moralischer Sätze. Sie ist die<br />
philosophische Untersuchung der Moral. Die Grundfrage lautet: Welche<br />
Handlungen und welche Entscheidungen sind richtig oder falsch?</p>
<p>Es war acht Uhr abends. Fabian stand vor der Wohnungstür, an der noch<br />
das Namensschild &quot;Keller&quot; angebracht war. Noch wusste Keiner, dass<br />
Frau Keller dort gar nicht mehr wohnte. Ein seltsamer Gestank ging von<br />
der Tür aus.</p>
<p>&quot;Hier stimmt doch etwas nicht&quot;, sprach eine innere Stimme zu ihm. Er<br />
drücke den Klingelknopf.</p>
<p>Nichts rührte sich. Er klingelte noch viermal, dann beschloss er,<br />
Nachbarn zu fragen. Er ging die Treppe hinunter. Im 14. Stockwerk<br />
wohnte niemand. Im 13. Stock klingelte er an eine Tür, dessen Bewohner<br />
&quot;Lehmann&quot; hieß.</p>
<p>Die Tür öffnete sich einen Spalt breit. &quot;Ja? Was wollen Sie?&quot;, ertönte<br />
eine Stimme. Man hörte außerdem den Fernseher, in dem gerade die<br />
Tagesschau lief.</p>
<p>&quot;Guten Tag, mein Name ist Romanowski. Ich bin neu eingezogen. Ich<br />
glaube, dass bei meinem Nachbarn etwas faul ist. Es stinkt dort<br />
fürchterlich, und keiner macht auf.&quot;</p>
<p>&quot;Ach, kümmern Sie sich doch um Ihren eigenen Kram&quot;. Die Tür schloss<br />
sich wieder. </p>
<p>&quot;So ein Idi.t&quot;, murmelte Fabian. &quot;Gibt es hier einen Hausmeister?&quot;,<br />
kam es ihm in den Sinn. Aber dann hatte er doch keine Lust mehr, sich<br />
um die Angelegenheit zu kümmern. Vielleicht musste er sich einfach an<br />
das andere Look and Feel gewöhnen, das seine neue Wohngegend<br />
hatte. Eigentlich waren ihm Äußerlichkeiten egal. Sollten die Leute<br />
doch nur ihre Schöner-Wohnen-Zeitschriften horten und über Feng Shui<br />
quatschen. Letztenendes sind das nur Gefühle und Illusionen. </p>
<p>&quot;Die Materie an sich existiert unabhängig von meinem Erleben&quot;, sagte<br />
Fabian sich. &quot;Ich koste jede Sekunde meines Lebens aus und vergeude<br />
meine Zeit nicht mit Nebensächlichkeiten.&quot;</p>
<p>Er konnte nicht ahnen, was ihm am folgenden Tag widerfuhr. Der<br />
Schrecken war groß, als die Polizei schließlich die Wohnungstür von<br />
Frau Keller aufbrach. Vorsichtshalber wurden Spezialisten von der<br />
Spurensicherung her bestellt, da zunächst Einiges auf ein Verbrechen<br />
hin deutete. Fliegenschwaden, Maden, tote Tiere, Leichengeruch,<br />
Moder... Jeder, der das erlebte, wurde in seiner Seele verändert und<br />
tat ein bisschen sterben. Aber halt, - ein bisschen? </p>
<p>Man kann nicht ein bisschen sterben, denn der Tod ist<br />
unwiderruflich. Der Tod ist das absolute Ende, eine Singularität wie<br />
die Zahl Null oder die Unendlichkeit. Wenn ein Mathematiker die Null<br />
falsch anwendet, gilt er als Dilettant; aber wenn eine Dumpfbacke<br />
daher kommt und einen Abschied als &quot;ein bisschen Sterben&quot; bezeichnet,<br />
gilt sie gleich als Dichter.</p>
<p>Es ist vermutlich auch dem Leser klar, dass der Ausdruck &quot;ein bisschen<br />
Sterben&quot; ein verharmlosender Unfug ist. Auch wenn nur Teile deines<br />
Körpers wie beispielsweise Zähne oder Gehirnzellen, oder Sinne wie<br />
dein Gehör absterben, so sind sie doch tot und somit für immer<br />
verloren. Du solltest dir das gründlich klar machen, bevor du irgend<br />
eine weit reichende Entscheidung triffst. Warum überhaupt liest du<br />
diese Geschichte hier zuende? Das beweist doch nur, dass du auch nicht<br />
ganz sauber bist. Du hättest die Geschichte ja gar nicht bis hierhin<br />
lesen müssen. Du hast dich dafür entschieden, und du hast nur gekriegt<br />
was du verdient hast.</p>
<p>Fabian Romanowski hatte der Polizei und den Zeitungsreportern alles<br />
gesagt, was zu sagen war. Er nahm einen heißen Schluck<br />
Fencheltee. Gut, dass er seine Toilette noch rechtzeitig erreicht<br />
hatte, bevor er sich übergeben musste. Nun ging es ihm wieder etwas<br />
besser.</p>
<p>Er reflektierte den Fleischkonsum in seinen Gedanken. In der<br />
Entstehungsgeschichte des Menschen war der Verzehr von Fleisch eine<br />
wichtige Bedingung zur Entwicklung des Großhirns. Andere<br />
Hominidenarten, die sich vegetarisch ernährten, starben allmählich<br />
aus, obwohl sie körperlich robuster gebaut waren. Die Verdauung rein<br />
vegetarischer Kost ist umständlich. Die Arten jedoch, die auch Fleisch<br />
verzehrten, hatten durch den Verzehr von tierischen Proteinen eine<br />
schnellere Umsetzung der Nahrung in Energie. Dadurch wiederum hatten<br />
sie mehr Zeit für die Entwicklung von Werkzeugen, wodurch sich auch<br />
ihr Gehirn weiter entwickelte. Durch die Weiterentwicklung des Gehirns<br />
wiederum konnten sie mehr Fleisch erjagen. Das war wiederum<br />
vorteilhaft für den Stoffwechsel. Dadurch entwickelte sich wiederum<br />
das Gehirn besser. Ein Aufschaukelkreis war entstanden.</p>
<p>       </p>
<p><br />
 <br />
--------------------------------------------------------------------------------</p>
</p>]]></content:encoded>
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<pubDate>Thu, 01 Jan 1970 01:00:00 +0100</pubDate>
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<content:encoded><![CDATA[<p><em>Antwort von Knut, Sunday, 01. November 2026, 20:25:</em></p><p><p><br />
Als Antwort auf: <strong>Re: Gibt es den Weihnachtsmann überhaupt?</strong> von Tach am 24. Dezember 2002 20:31:07:</p>
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<dc:creator>Knut</dc:creator>
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