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Für Archive jeglicher Art: Die Gilgater 7-Tage-Krise

Claudia (Claddyn) @, Tuesday, 18. December 2001, 19:00


Ich finde, diese Krise, die Gilgat überlebt hat (so halbwegs) hat es sich verdient, in die Analen Chrestonims einzugehen.

Hier eine Beobachtung Claddyns:
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Es war der neunte Derrakhan des Jahres 224, ein ganz normaler Morgen, der in einem beunruhigend anormalen Mittag münden sollte. Der alltägliche Trubel Gilgats riss auch mich wiederwillig mit, und so kam ich, dass ich, gerade damit beschäftigt, mich nach etwas Brot umzuschauen, folgendes schicksalhafte Szenario beobachten konnte: Noldanion Bergial, junger Hohepriester des Delvantempels, verlas auf dem städtischen Podest eine Nachricht der Allianz, und ich glaubte, mein herz würde kurzzeitig aussetzen, als ich seinen Worten folgte:
""Die Ritter Delvans brachten mir aus der Allianz folgenden Brief, udn es ist meine Pflicht, ihn öffentlich zu verlesen.

Allianzhauptstadt, 16. Nochondas 224
Offener Brief an den Statthalter von Gilgat, dem Kommandanten der Stadtgarde und das Volk von Gilgat!
Beunruhigende Nachrichten haben Uns ereilt, und diese nachrichten stammen
direkt aus Gilgat, der goldenen Stadt eures Königreiches.

Es beunruhigt Uns zutiefst, was Uns von dort berichtet wurde, und sollte es sich bestätigen, wird es Unsere schwere, aber heilige Pflicht sein, mit dem yedeischen Reiche und seinen Machtbereichen in den bedingungslosen Kriegszustand zu treten.
Alle Staaten, Städte und Völker, die dem wahren Glauben angehören, hätten die heilige Pflicht, sich gegen das Königreich Yedea zu wenden.
Uns wurde berichtet, dass in Gilgat die Autonomie der Tempel, die Unantastbarkeit ihrer Priester nicht gewährleistet sei.
Uns wurde berichtet, Priester würden mit dem Status der Rechtlosigkeit bedroht, wenn sie nicht Abgaben an die Stadt Gilgat und somit an das Königreich Yedea zahlten. Diese Meinung wurde von der hiesigen Stadtverwaltung publiziert und von dem Stadtkommandanten nicht zurückgenommen, sondern nur bekräftigt - hat die Stadt Gilgat gegen den wahren Glauben, gegen das Pantheon der Götter, ihrer Boten verschworen - und somit gegen die Allianz und alle ihr solidarischen Staaten?

Ein Schriftstück erreichte den Hohepriester Noldanion Bergial zu Gilgat, verfasst von einer gewissen Ona Benavana, Vertreterin der hiesigen Stadtverwaltung, die ihm schriftlich mitteilte, als er eine Spende zu Gunsten des Stadtmauerbaus stiften wollte, dass für "Euren Tempel monatlich noch 30 Auran Gebäudesteuer" zu entrichten sein.
Solche oder ähnliche Nachrichten ereilten alle Tempel, ein Angriff auf den Glauben, der seinesgleichen sucht.

Unsere Forderungen an das Königreich Yedea sind:

Eine Garantie der Autonomie der Tempel in Gilgat für mindestens ein Jahrhundert,
Eine offizielle Zurückziehung dieses lästerlichen Steuerbescheides
und eine offizielle, an drei aufeinanderfolgenden Tagen auf dem Marktplatz zu verlesende, Entschuldigung der Stadt Gilgat und des Königreiches Yedea.

Sollten all diese Dinge nicht eine Woche nach Erhalt dieses Briefes nicht bereits in die Wege geleitet sein, müssen wir leider unserer schweren Pflicht Folge leisten, und dem Königreich Yedea gewaffnet gegenüber treten.

gez. Eminenz Vermo Tortra Akkrijiar, Erleuchtete des Delvan,

im Auftrag Ihrer Heiligkeit Herrscherin Acanta Mresaja Calenos Jhascandell
Akkrijianjar"

Fassungslosigkeit regierte den Markt und meine Seele. Lahrs Blauthann verkündete schon bald diensteifrig, dass er natürlich 'Gilgat zu Diensten sei!" Ich spöttelte "Gepriesen sei die Steuerbehörde!" um mein Entsetzen zu überspielen: und schon bald gesellte sich Ona Benavana zu mir, die ihrerseits ihr Entsetzen überspielte, indem sie mir mitteilte, sie fände es vorteilhaft, wenn Wardig mithülfe, den Hafen gegen die Allianz "dicht" zu machen - was seinerseits mein Entsetzen nur mehr steigerte, und erklärte ihr (wenngleich ein wenig schroff)
dass ich zu meinen Göttern, die mein Geschicke lenken, halten würde - und Wardig wohl desgleichen.danach verliess ich rasch diesen Ort der beunruhigenden Offenbarung - um alleine zu sein, Gedanken zu sammeln. An Onas hinterhergerufenen Worten, ich habe mich wohl mit den verlogenen Priestern verbündet, konnte ich unschwer feststellen, dass ihre Sympathie für meine Erscheinung wohl verschwindend gering war. Aber es gab wichtigeres.
Das aufgeregte Rufen der Gilgater Bürger hörte ich noch bis vor die Tür meines Wohnhauses im Handwerkerviertel...

Unruhe beherrschte für den Rest des Tages die Stadt, Besorgnis und Angst schlich sich in das Herz eines jeden Bürgers - und auch in das meine. Wann hatte ich das letzte Mal wirkliche Angst verspürt? Es muss lange her gewesen sein...
Es war etwas, das Monotheisten und Anhänger der wahren Götter vereinte - und gleichzeitig die Fronten noch klarer machte. Die Angst vor der Feindesligkeit des anderen.
Und auch noch die herauffolgenden Tage schien der Himmel mir seltsam verhangen - und nicht nur mir, wie sich herausstellte. Varuna, eine junge und normalerweise sehr freudige Frau, machte ein Gesicht wie zehn Tage Regenwetter, ein junger Mann redete von 'inoffiziellen Schlachtplänen', die angeblich schon ausgeklügelt seien - um nur ein paar ganz typische Beispiele für die Stimmung der hilflosen Bürger der Stadt zu finden. Und ich - war unsicher. Sicher ich war bereitfür Endrakha zu Kämpfen - aber wollte ich überhaupt kämpfen? Kampf ist eien schlechte Alternative zum Frieden, das wusste auch Blauthann, und als ich ihm in die Zügel griff und ihn so auf der Streife hinderte, weiterzureiten, um einige offizielle Informationen herauszubekommen, riet er mir, möglichst schnell die Stadt zu verlassen, wenn ich mit dem Leben davonkommen wollte. Im Nachhinein frage ich mich, wie ich so kühl reagieren konnte, wie ich so sicher reden konnte? Ich weiss es nicht, denn ich weiss, dass ich glaubtre, das Blut würde mir in den Adern gefrieren, als wär ich schon auf Yoroms Eisfeldern.
Ein seltsames Gefühl, wenn man einen Offizier in die Augen sieht, und spürt, dass auch er ganz genauso hilflos ist, wie man selbst, die man doch ganz ohne offiziellen Rückhalt dasteht...

Schwammig und konturenlos verliefen diese tage - wie ein Albtraum.
Ein seltsames Schweigen lastete auf dem Marktplatz wie eine Käseglocke,die hastig übergestülpt worden war. Eigentlich hatte ich vor, mit Wardig mitzureisen, in Fernen, nach welchem sich meine Seele schon lange sehnte - aber ich blieb, um in der Stunde der Not bei Gilgat sein zu können. Hatte Endrakha mir in meiner Not geholfen, so sollte ich zumindest mein Leben ihrem Ruhme schenken. Und so flog er ab - am 12. Derrakhan. Langsam entschwand das Luftschiff meinen Blickfeld. Und ebenso langsam wurde mir die fatale Situation bewusst, in welcher ich mich nun plötzlich befand.
Beim stammtisch auf der Terasse des Gildenhauses brodelte es. Aggressivität und Melancholie zugleich ergriff die Anwesenden - es war, als tanzte man leichtfüssig am Rande eines Vulkans, um die Leichtigkeit der Sorglosigkeit vorzutäuschen... unbeholfen, und stets in der Gefahr herabzugleiten...

Wie beschreibt man am besten, wie der ganze Spuk endete - nachdem unzählige Händler ausgewandert waren und das stolze Schiff 'Fichan Banafas' überstürzt abreiste? In welcher Zeit die Arivara-Priesterin Chastessa sich so einige Wortduelle mit Lahrs Blauthann lieferte, jeder in dem eitlen Glauben, den anderen besonders fundiert von seiner Position überzeugen zu können - wenn auch mit schlussendlich zunehmender Verbitterung?

Es geschah ebenso still, wie es zuvor wie mit einem Knall begonnen war: Genau 7 Tage später, kurz vor dem Ablauf des Ultimatums.
Ein Bote des König Roneans verlas eine Entschuldigung und die Zusicherung, dass die Autonomie der Tempel des wahren Glaubens für ein Jahrhundert und ein Jahr garantuiert sei.
Welche Euphorie diese Verkündung in mir weckte - und wie sehr die vergangenen 7 Tage an Gilgat genagt hatten! Beinahe erschöpft wendete sich die Stadtwache wieder ihrem gewohnten Dienste zu, Misstrauen blieb auf der Seite vieler anderer - hier massgeblich zu erwähnen wären Ona Benavana und der Baumeister Boulder.
Manche äusserten gar ihren Unmut über diesen gimpflichen Ausgang und schimpften König Ronean einen Feigling (die Narren sterben ja bekanntlich niemals aus).
Die Aggressivität und Unsicherheit wird dennoch noch lange auf dieser Stadt lasten, befürchte ich, wie sie auch noch ein wenig auf mir lastet.
Aber der 16. Derrakhan 224 war ohne Zweifel ein großer Sieg der wahren Götter.
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Nun, der Text ist natürlich sehr charakterlich gefärbt - persönliche Memoiren halt. Aber vielleicht möchte ihn ja doch jemand haben...
...lieber Gruss
Claudia

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Knut (WARC), Tuesday, 03. November 2026, 16:13 @ Claudia (Claddyn)


Als Antwort auf: Für Archive jeglicher Art: Die Gilgater 7-Tage-Krise von Claudia (Claddyn) am 18. Dezember 2001 19:00:21:

schöner Text, den schnapp ich mir :)

(p.s. bin schon wieder unterchs nach Gilgat, wenn yuna endlich mal wieder agiert treffen sich die zweit gleich wieder)

grüsse WARC

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Re: Für Archive jeglicher Art: Die Gilgater 7-Tage-Krise

Lars @, Wednesday, 19. December 2001, 19:52 @ Claudia (Claddyn)


Als Antwort auf: Für Archive jeglicher Art: Die Gilgater 7-Tage-Krise von Claudia (Claddyn) am 18. Dezember 2001 19:00:21:

Ein wirklich schöner Text...mit der von Dir gewohnten Dramatik..hat mir sehr gefallen...und ist auch einen Eintrag wert..egal in welchem Archiv..vielleicht solltest Du es auch der Gilgater Gildenzeitung freigeben....die freuen sich sicher :o) (haben ja sonst nix auf Lager, was einen vom Hocker reisst...*megafiesgrinst*)

Gruss
Lars

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Claudia (Claddyn), Tuesday, 03. November 2026, 16:13 @ Lars


Als Antwort auf: Re: Für Archive jeglicher Art: Die Gilgater 7-Tage-Krise von Lars am 19. Dezember 2001 19:52:29:

vielleicht solltest Du es auch der Gilgater Gildenzeitung freigeben....die freuen sich sicher :o) (haben ja sonst nix auf Lager, was einen vom Hocker reisst...*megafiesgrinst*)
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Erst einmal danke für das Lob Lahrs (Und natürlich auch für dein lob, Knutchen;-)). Aber ic würde Claddyn leider nie die eigene Unsicherheit zugeben - damit wär die Zeitungsidee gestorben;-)
Lieber Gruss
Claudia


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