Als Antwort auf: Re: Fragen zur gelebten Religion von Adrian am 24. Mai 2006 23:05:53:
Der Neue Kult dagegen hat immer die Wirkung wie die antike, griechische Götterwelt, zumindest für nicht. Daher habe ich gerne daher die Ideen und Eingebungen gesehen.
Der Alte Kult dagegen ist sehr viel strenger und ich könnte keine irdische Pendant-Religion nennen.
Hm, dann kommt mir aber manches recht seltsam vor, wenn der Neue Kult den Glaubensvorstellungen der Antike entsprechen soll. Zum einen, da Priester eigentlich in der Antike keine Theologen wie wir es aus dem heutigen Christentum kennen, waren, welche über die "absolute Wahrheit" in Glaubensfragen sinieren und eine Art Wissenschaft aus Glauben machen. In der Antike waren Priester ganz normale Bürger, welche ein Amt bekleideteten. Sie nahmen eine öffentliche Aufgabe wahr und waren Staatsbedienstete. Ihre Aufgabe bestand nur darin, als eine Art Mittler zwischen der Götterwelt und der politischen Gemeinschaft (der griechischen Polis oder der Urbs Romana) zu dienen. Das taten sie indem, sie dafür Sorge trugen, dass Opferungen zur rechten Zeit und eben auf die überlieferte (und damit als richtig anerkannte) Art gemacht wurden. Sie waren aber seltenst Leute, zu denen Privatpersonen gingen, um sich in irgendwelchen Glaubensfragen beraten zu lassen, Dinge zu beichten oder irgendwelches Seelenheil zu empfangen, prüfen zu lassen. Glaube für die Bürger war zwar eine Selbstverständlichkeit aber eben reine Privatsache. Kontakt zu Göttern stellte jeder für sich selbst her. Man ging zu einem Tempel, oder hatte einen kleinen Schrein zu Hause und bat direkt die Götter um Beistand und nicht einen Priester um noch als Mittler dazwischen zu stehen und notfalls zu belehren, wie man etwas machen soll.
Priester waren nur dazu da, für die ganze politische Gemeinschaft stellvertretend etwas zu tun, oder in einigen Fällen auch über so weltliche Dinge wie Kalender und Zeitrechnung zu wachen.
Vorstellungen von Sünde gab es in der Antike nicht, damit auch keine Notwendigkeit Seelenheil zu erlangen. Man schloss Verträge mit den Göttern ab, frei nach dem Motto, ich opfer Dir ein Schaf, wenn Du mir hilfst ein Geschäft zu meinen Gunsten abzuschließen, oder mein Handelsschiff ohne Piratenüberfälle heimzubringen. Hielten sich die Götter nicht an diesen Vetrag, musste man nicht opfern. Hielt man selbst sich nicht dran, meinte man, dass die Götter sich an einem rächen werden, wobei das auch erst ein oder mehrere Generationen später an der Familie und den Nachkommen geschehen konnte. Man schrieb also persönliches Unglück nicht unbedingt eigenem Unvermögen, sondern einem gestörten Verhältnis zu irgendeiner Gottheit zu. Um das aber in Ordnung zu bringen, oder eben vorbeugend Maßnahmen zu ergreifen und Götter wohlzustimmen, brauchte keiner einen Priester, musste nicht mal einen Tempel aufsuchen. Den besuchte man eher, wenn die gesamte Gemeinschaft in wiederkehrendem Abstand etwas zu tun hatte, um eben für die ganze Polis den Frieden mit den Götter zu erneuern, die Pax Deorum, wie man das in Rom ausdrücken würde.
Damit stehen aber die Priester auch nie über den anderen Bürgern, sie haben kein Ausschließlichkeitsrecht für Glaubensfragen und keinen Warheitsanspruch. Sie sind normalsterbliche Menschen, die Beamte für den Staat sind, ebenso fehlbar wie jeder andere. Ihre eigentlich besondere Stellung besteht nur darin, dass sie der Gemeinschaft auf besondere Weise etwas schuldig sind und wenn Probleme auftreten (Ein Kriegszug schlecht läuft, die Ernten mies ausfallen) auch mal für dieses Unglück verantwortlich gemacht werden können.
Wenn ich dann hier immer die dogmatischen Forderungen von Wahrheitsverkündung und gar einer instutionalisierten Gemeinschaft von Priesterspielern finde, kommt mir das kaum wie die Antike vor.
Ein anderer wesentlicher Unterschied ist, es gibt keine bösen Götter, deren Verehrung man verbieten kann. Götter sind stets ungemein mächtige und unsterbliche Wesen. Verweigert man ihnen die Verehrung, werden sie sich rächen, ob an einzelnen Menschen, oder eben der gesamten politischen Gemeinschaft. Das war das allgemeine Glaubensbild der Antike und damit kann man keine Götter verdammen, oder Menschen bestrafen, die andere Götter präferieren, ja nicht einmal ausschließen, dass es neben den Göttern die man kennt, nicht noch welche irgendwo gibt, die einem bislang nur noch nicht begegnet sind. Ein Verbot der Verehrung alter Götter war in der Antike unmöglich, wäre tatsächlich Häresie gewesen. Selbst die Art der Verehrung ist etwas, das varieren kann und eben aufgrund eines fehlenden instutionalisierten Glaubens mit einer einheitlichen vorgeschriebenen Lehre, für jeden einzelnen Gläubigen Auslegungssache und unterschiedlich anwendbar war. Auch da hatten also Priester kein Monopol und konnten niemand vorschreiben, wie er etwas zu tun hat. Es war nur allgmein usus, dass die Dinge, wie sie seit Generationen gemacht wurden und es die Ahnen bereits taten, damals richtig war und somit heute auch noch gut sei.
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