Als Antwort auf: Re: auch Senf zugeb... von katy /sai-yin / Achoria am 22. März 2004 23:10:11:
Ich muss ehrlich sagen, nach jahrelanger distanzierter Schreibweise bin ich dessen allmählich müde.
"X lächelt und sollte X2 hingucken, würde er vielleicht bemerken, dass X wirkt als sei er mit dem Angebot einverstanden." Jesus!
Es spricht doch nichts dagegen zu schreiben: "X lächelt. Er ist damit einverstanden".
Bescheuert dagegen: "X lächelt. Er denkt, dass er damit einverstanden ist".
Variante 1 ist verkrampft und umständlich. Variante 2 beschreibt innere Handlung, aber lässt das völlig überflüssige "er denkt" weg. In einem Buch mit personellen Erzähler steht auch nicht ständig er denkt.
Es ist einfach so: Variante 2 eröffnet wesentlich mehr Möglichkeiten seinen Charakter vernünftig darzustellen. Um jedoch längere Texte mit Typus 1 zu schreiben, muss man schon überdrehte Spinner wie Calderon oder Sedy Quim spielen, die ständig irgendwelche konfuse Handlungen machen. Ein finsterer, stiller Krieger zeigt dagegen selten Emotionen oder bewegt sich viel. Mit dem Ergebnis, dass einem ohne Variante 2 die Möglichkeiten ausgehen. Da bleibt dann nur noch der Dialog und wenn dieser finstere, stille Krieger auch noch ein schweigsamer ist, dann hat man ein ernstes Problem...dann kriege ich nämlich auf meine halbe D4-Seiten-Texte nur zwei Zeilen als Antwort, was mich deutlich mehr aufregt als zehnfach soviel Text, der zwar von innerer Handlung wimmelt, dafür jedoch interessant zu lesen ist.
Nichts ist schlimmer als kreuzlangweilige Texte, die nur von krampfhaft eingebauter Handlung aufgebauscht sind, weil man sich der inneren Handlung versagt. Dazu gehören Floskeln wie "Er lächelt. Er nickt. Er mustert mich. Er betrachtet mich. Er guckt finster. Er bohrt sich in der Nase."
Zwei Texte:
Ein Krieger klopft an die Pforte des alten Mannes. Er ist müde und erschöpft. Die lange Reise steckt ihm noch in allen Knochen. Es ist schon spät und der Krieger erwartet nicht noch heute eine Antwort auf seine Fragen zu finden. Als der alte Mann im Türrahmen erscheint, grüßt er ihn matt.
Text 2:
Als der alte Mann die Tür öffnet sieht er einen Krieger, der Müde zu sein scheint. Der Fremde grüßt ihn.
Also bitte! Schreibt gute und lange Texte, das hilft Chrestonim mehr als Prinzipienreiterei.
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- - Mimi, 05.11.2026, 14:56
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- Re: auch Senf zugeb... - katy /sai-yin / Achoria, 22.03.2004, 23:10
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- - Mel, 05.11.2026, 14:56
- Aber am Schlimmsten ... - René, 23.03.2004, 05:26
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- Re: auch Senf zugeb... - katy /sai-yin / Achoria, 22.03.2004, 23:10