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keine lust auf lange mails und schöne weihnachten!

Chris/Rondrian @, Tuesday, 24. December 2002, 14:24

möp zusammen!!

also.. ich hasse Rundmails für Weihnachten und
deswegen schreib ich´s eben ins Forum.


SCHÖNE WEIHNACHTEN!!!!!!!!

und für die, die ich nicht mehr lese/sehe

einen guten Rutsch ins neue Jahr!


und nicht vergessen:
der Weihnachtsmann ist nur eine Erfindung
von Coca Cola um mehr Profit zu machen! :)

in diesem Sinne

*knuddlz an alle*

Chris

PS: auf ein neues Jahr in Chrest! SKOL! :)


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Die Lüge von Coca Cola

Dirk @, Tuesday, 24. December 2002, 15:43 @ Chris/Rondrian


Als Antwort auf: keine lust auf lange mails und schöne weihnachten! von Chris/Rondrian am 24. Dezember 2002 14:24:23:

<center>http://www.demicron.de/Vak/christmas_bunny.gif</center>


Dies ist der unwiderlegbare Beweis dafür, daß nicht Coca Cola, sondern die ACME-Studios den Weihnachtsmann erfunden haben!

Alles Gute an all die, die keine Weihnachtsmail im Postkasten haben (Es sind einfach zu viele...)


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Gibt es den Weihnachtsmann überhaupt?

Alex @, Tuesday, 24. December 2002, 20:29 @ Dirk


Als Antwort auf: Die Lüge von Coca Cola von Dirk am 24. Dezember 2002 15:43:33:


1) Keine bekannte Spezies der Gattung Rentier kann fliegen. ABER es gibt 300.000 Spezies von lebenden Organismen, die noch klassifiziert werden muessen, und obwohl es sich dabei haupsaechlich Insekten und Bakterien handelt, schliesst dies nicht mit letzter Sicherheit fliegende Rentiere aus, die nur der Weihnachtsmann bisher gesehen hat.

2) Es gibt 2 Milliarden Kinder (Menschen unter 18) auf der Welt. ABER da der Weihnachtsmann (scheinbar) keine Moslems, Hindu, Juden und Buddhisten beliefert, reduziert sich seine Arbeit auf etwa 15 % der Gesamtzahl - 378 Millionen Kinder (laut Volkszaehlungsbuero). Bei einer durchschnittlichen Kinderzahl von 3,5 pro Haushalt ergibt das 91,8 Millionen Haeuser. Wir nehmen an, dass in jedem Haus mindestens ein braves Kind lebt.

3) Der Weihnachtsmann hat einen 31-Stunden-Weihnachtstag, bedingt durch die verschiedenen Zeitzonen, wenn er von Osten nach Westen reist (was logisch erscheint). Damit ergeben sich 822,6 Besuche pro Sekunde.

Somit hat der Weihnachtsmann fuer jeden christlichen Haushalt mit braven Kindern 1/1000 Sekunde Zeit fuer seine Arbeit: Parken, aus dem Schlitten springen, den Schornstein runterklettern, die Socken fuellen, die uebrigen Geschenke unter dem Weihnachtsbaum verteilen, alle uebriggebliebenen Reste des Weihnachtsessens vertilgen, den Schornstein wieder raufklettern und zum naechsten Haus fliegen. Angenommen, dass jeder dieser 91,8 Millionen Stops gleichmaessig auf die ganze Erde verteilt sind (was natuerlich, wie wir wissen, nicht stimmt, aber als Berechnungsgrundlage akzeptieren wir dies), erhalten wir nunmehr 1,3 km Entfernung von Haushalt zu Haushalt, eine Gesamtentfernung von 120,8 Millionen km, nicht mitgerechnet die Unterbrechungen fuer das, was jeder von uns mindestens einmal in 31 Stunden tun muss, plus Essen usw.

Das bedeutet, dass der Schlitten des Weihnachtsmannes mit 1040 km pro Sekunde fliegt, also der 3.000-fachen Schallgeschwindigkeit. Zum Vergleich: das schnellste von Menschen gebaute Fahrzeug auf der Erde, der Ulysses Space Probe, faehrt mit laecherlichen 43,8 km pro Sekunde. Ein gewoehnliches Rentier schafft hoechstens 24 km pro STUNDE.

4) Die Ladung des Schlittens fuehrt zu einem weiteren interessanten Effekt. Angenommen, jedes Kind bekommt nicht mehr als ein mittelgrosses Lego-Set (etwa 1 kg), dann hat der Schlitten ein Gewicht von 378.000 Tonnen geladen, nicht gerechnet den Weihnachtsmann, der uebereinstimmend als uebergewichtig beschrieben wird.

Ein gewoehnliches Rentier kann nicht mehr als 175 kg ziehen. Selbst bei der Annahme, dass ein "fliegendes Rentier" (siehe Punkt 1) das ZEHNFACHE normale Gewicht ziehen kann, braucht man fuer den Schlitten nicht acht oder vielleicht neun Rentiere. Man braucht 216.000 Rentiere. Das erhoeht das Gewicht - den Schlitten selbst noch nicht einmal eingerechnet - auf 410.400 Tonnen. Nochmals zum Vergleich: das ist mehr als das vierfache Gewicht der Queen Elizabeth.

5) 410.400 Tonnen bei einer Geschwindigkeit von 1040 km/s erzeugt einen ungeheuren Luftwiderstand - dadurch werden die Rentiere aufgeheizt, genauso wie ein Raumschiff, das wieder in die Erdatmosphaere eintritt. Das vorderste Paar Rentiere muss dadurch 16,6 TRILLIONEN Joule Energie absorbieren. Pro Sekunde. Jedes. Anders ausgedrueckt: sie werden praktisch augenblicklich in Flammen aufgehen, das naechste Paar Rentiere wird dem Luftwiderstand preisgegeben, und es wird ein ohrenbetaeubender Knall erzeugt.

Das gesamte Team von Rentieren wird innerhalb von 5 Tausendstel Sekunden vaporisiert. Der Weihnachtsmann wird waehrenddessen einer Beschleunigung von der Groesse der 17.500-fachen Erdbeschleunigung ausgesetzt. Ein 120 kg schwerer Weihnachtsmann (was der Beschreibung nach laecherlich wenig sein muss) wuerde an das Ende seines Schlittens genagelt - mit einer Kraft von 20,6 Millionen Newton.

Damit kommen wir zu dem Schluss: WENN der Weihnachtsmann irgendwann einmal die Geschenke gebracht hat, ist er heute tot.

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Tach, Sunday, 01. November 2026, 21:13 @ Alex


Als Antwort auf: Gibt es den Weihnachtsmann überhaupt? von Alex am 24. Dezember 2002 20:29:41:

1) Keine bekannte Spezies der Gattung Rentier kann fliegen. ABER es gibt 300.000 Spezies von lebenden Organismen, die noch klassifiziert werden muessen, und obwohl es sich dabei haupsaechlich Insekten und Bakterien handelt, schliesst dies nicht mit letzter Sicherheit fliegende Rentiere aus, die nur der Weihnachtsmann bisher gesehen hat.
2) Es gibt 2 Milliarden Kinder (Menschen unter 18) auf der Welt. ABER da der Weihnachtsmann (scheinbar) keine Moslems, Hindu, Juden und Buddhisten beliefert, reduziert sich seine Arbeit auf etwa 15 % der Gesamtzahl - 378 Millionen Kinder (laut Volkszaehlungsbuero). Bei einer durchschnittlichen Kinderzahl von 3,5 pro Haushalt ergibt das 91,8 Millionen Haeuser. Wir nehmen an, dass in jedem Haus mindestens ein braves Kind lebt.
3) Der Weihnachtsmann hat einen 31-Stunden-Weihnachtstag, bedingt durch die verschiedenen Zeitzonen, wenn er von Osten nach Westen reist (was logisch erscheint). Damit ergeben sich 822,6 Besuche pro Sekunde.
Somit hat der Weihnachtsmann fuer jeden christlichen Haushalt mit braven Kindern 1/1000 Sekunde Zeit fuer seine Arbeit: Parken, aus dem Schlitten springen, den Schornstein runterklettern, die Socken fuellen, die uebrigen Geschenke unter dem Weihnachtsbaum verteilen, alle uebriggebliebenen Reste des Weihnachtsessens vertilgen, den Schornstein wieder raufklettern und zum naechsten Haus fliegen. Angenommen, dass jeder dieser 91,8 Millionen Stops gleichmaessig auf die ganze Erde verteilt sind (was natuerlich, wie wir wissen, nicht stimmt, aber als Berechnungsgrundlage akzeptieren wir dies), erhalten wir nunmehr 1,3 km Entfernung von Haushalt zu Haushalt, eine Gesamtentfernung von 120,8 Millionen km, nicht mitgerechnet die Unterbrechungen fuer das, was jeder von uns mindestens einmal in 31 Stunden tun muss, plus Essen usw.
Das bedeutet, dass der Schlitten des Weihnachtsmannes mit 1040 km pro Sekunde fliegt, also der 3.000-fachen Schallgeschwindigkeit. Zum Vergleich: das schnellste von Menschen gebaute Fahrzeug auf der Erde, der Ulysses Space Probe, faehrt mit laecherlichen 43,8 km pro Sekunde. Ein gewoehnliches Rentier schafft hoechstens 24 km pro STUNDE.
4) Die Ladung des Schlittens fuehrt zu einem weiteren interessanten Effekt. Angenommen, jedes Kind bekommt nicht mehr als ein mittelgrosses Lego-Set (etwa 1 kg), dann hat der Schlitten ein Gewicht von 378.000 Tonnen geladen, nicht gerechnet den Weihnachtsmann, der uebereinstimmend als uebergewichtig beschrieben wird.
Ein gewoehnliches Rentier kann nicht mehr als 175 kg ziehen. Selbst bei der Annahme, dass ein "fliegendes Rentier" (siehe Punkt 1) das ZEHNFACHE normale Gewicht ziehen kann, braucht man fuer den Schlitten nicht acht oder vielleicht neun Rentiere. Man braucht 216.000 Rentiere. Das erhoeht das Gewicht - den Schlitten selbst noch nicht einmal eingerechnet - auf 410.400 Tonnen. Nochmals zum Vergleich: das ist mehr als das vierfache Gewicht der Queen Elizabeth.
5) 410.400 Tonnen bei einer Geschwindigkeit von 1040 km/s erzeugt einen ungeheuren Luftwiderstand - dadurch werden die Rentiere aufgeheizt, genauso wie ein Raumschiff, das wieder in die Erdatmosphaere eintritt. Das vorderste Paar Rentiere muss dadurch 16,6 TRILLIONEN Joule Energie absorbieren. Pro Sekunde. Jedes. Anders ausgedrueckt: sie werden praktisch augenblicklich in Flammen aufgehen, das naechste Paar Rentiere wird dem Luftwiderstand preisgegeben, und es wird ein ohrenbetaeubender Knall erzeugt.
Das gesamte Team von Rentieren wird innerhalb von 5 Tausendstel Sekunden vaporisiert. Der Weihnachtsmann wird waehrenddessen einer Beschleunigung von der Groesse der 17.500-fachen Erdbeschleunigung ausgesetzt. Ein 120 kg schwerer Weihnachtsmann (was der Beschreibung nach laecherlich wenig sein muss) wuerde an das Ende seines Schlittens genagelt - mit einer Kraft von 20,6 Millionen Newton.
Damit kommen wir zu dem Schluss: WENN der Weihnachtsmann irgendwann einmal die Geschenke gebracht hat, ist er heute tot.


Im Tal der Träume
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Kapitel 1
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Der blaue Planet, unsere Erde, ist unvorstellbar alt. Daher
könnte man meinen, dass es unter der Sonne nichts Neues mehr gäbe;
jegliche moderne Idee sei in ihren Grundzügen doch schon einmal da
gewesen. Alles käme wieder. Frau Keller war nicht dieser
Meinung. Lächelnd zog sie ein letztes Mal an ihrer Zigarette, blies
den Rauch aus, lies die Zigarette auf den Teppichboden fallen und trat
sie mit ihren schwarzen Lackschuhen aus. Nun würde sie ihre Wohnung
also endgültig verlassen. Abschied ist immer ein bisschen wie sterben,
ja... Wieder so ein gedankenloser Gebrauch des Wortes
sterben. Gedankenlos, weil der Tod unwiderruflich ist und das absolute
Ende von Allem bedeutet. Man kann nicht ein bisschen tot sein, man
kann nicht ein bisschen schwanger sein, und man kann nicht ein
bisschen ein Mörder sein. Entweder ist man es oder man ist es nicht!
Das ist eine digitale Kategorie.

Sie gähnte. Na ja, wäre Abschied ein bisschen wie sterben, könnte das
auch bedeuten, dass dabei Teile ihres Körpers abstürben, zum Beispiel
große Aggregate von Gehirnzellen, - etwa vielleicht nach einem
Alkohol-Exzess. Doch Frau Keller wollte sich nicht besaufen.

Susanne Keller war Mitte Fünfzig, hatte eine gepflegte Erscheinung,
war stets elegant gekleidet und verwendete starke Parfums. Sie hatte
lange, wellige brünette Haare, und ihr leicht gebräuntes Gesicht war
immer noch hinreißend schön, trotz der Falten, die es schon
aufwies. Sie hatte große braune Augen, beinahe Glubschaugen, die durch
rund gewölbte Augenbrauen zusätzlich betont wurden. Um ihren Mund, der
sinnliche Lippen hatte, zog sich meistens ein kleines Lächeln, das
jedoch in einem seltsamen Gegensatz stand zum eher traurigen Ausdruck
ihrer Augen. Lächelnd blickte Frau Keller auf eine Ratte, die am
Fußboden entlang lief. Sie bewohnte damals eine kleine Sozialwohnung
in einem Plattenbau in Duisburg, war jedoch im Begriff aus Duisburg zu
verschwinden. Sie sah nun eine Gelegenheit, der Stadt endlich mal eins
auszuwischen. Sie kaufte einige Portionen billiges Fleisch und legte
es in verschiedene Ecken ihrer Wohnung aus, um es dort verfaulen zu
lassen. Draußen hatte sie zufällig eine halb verweste tote Katze
gefunden und den Kadaver heimlich in die Wohnung transportiert, um
eine Fliegenplage zu gewährleisten. Außerdem kaufte sie aus einem
Zoogeschäft mehrere Ratten und setzte sie in der Wohnung aus. Die
Leute sollten lange Gesichter machen, wenn sie einige Monate später
nach dem Rechten sehen würden! Ein schönes Chaos dürften sie dann
vorfinden. Frau Keller ging zur Spüle, zum Waschbecken und zur
Badewanne und drehte die Wasserhähne auf. Nun würde das Trinkwasser
monatelang aus der Leitung fließen, ohne je genutzt zu werden - eine
sinnlose Verschwendung von Umweltressourcen. Pro Stunde flössen
mindestens 30 Liter Wasser aus dem Hahn, also immerhin 720 Liter am
Tag. Aber bezahlen täte Frau Keller das nie, denn man würde sie nie
erwischen. Ökologische Nachhaltigkeit war nicht gerade ihr
Steckenpferd.

Sie öffnete die Haustür, trat ins Treppenhaus, ließ die Tür ins
Schloss fallen und drehte den Schlüssel zweimal herum. So, nun war das
System da drinnen weitgehend abgeschlossen und sich selbst
überlassen. Fröhlich pfeifend betrat Frau Keller den Fahrstuhl und
fuhr hinunter. Im Erdgeschoss begegnete sie Frau Adorno, die gerade
einen Feudel aus einem Eimer Wasser tauchte und auswrang, um damit die
Treppe aufzuwischen.

"Guten Tag, Frau Adorno. Na, geht es Ihnen wieder besser?"

"Ach, guten Tag Frau Keller. Ja, mein Hausarzt war gestern da und hat
gesagt, dass die Hüftoperation gut verheilt ist. Die Krankengymnastin
sagt auch, dass ich große Fortschritte mache. Es geht wieder
aufwärts."

"Na prima, das freut für mich Sie."

Frau Keller trat einen beschwingten Schritt ins Freie. Draußen war ein
paradiesisches Wetter; die Sonne schien, und der Himmel war blau und
barg strahlend weiße Wolken. Und auch Frau Keller wirkte heiter. Kein
Mensch konnte ahnen, dass Susanne Keller eine sterbende Sonne war und
dass ein tödliches schwarzes Loch im Kern ihrer Seele tobte. Sie ging
zu ihrem roten Mercedes und stieg ein.

Kapitel 2
---------

Währenddessen schlenderte Thomas Herzbaum durch die Innenstadt
Duisburgs. Er gelangte in die Fußgängerzone. Da gerade Samstag war,
tummelten sich dort viele Menschen um Einkäufe zu erledigen, doch die
Atmosphäre war entspannt und wurde noch veredelt durch die
melancholische Musik, die ein französischer Straßenmusikant auf seinem
Akkordeon spielte. Die Sonne war angenehm.

Thomas Herzbaum war siebzehn Jahre alt, dünn und schlaksig und hatte
einen ovalen Kopf, der zum Kinn hin spitz zulief. Er hatte ein blasses
Gesicht mit dunklen Haaren, einer auffallend hohen und breiten Stirn,
kleinen Schlitzaugen, unter denen stets dunkle Ringe waren, eine lange
Nase und einen kleinen Mund mit schmalen Lippen. Sein dunkles Haar war
buschig, reichte jedoch nur bis zu seinen großen Ohren, denn es war am
Hinterkopf abrupt abgeschnitten. Der halbe Hinterkopf war
ausrasiert. Er hatte sich diese Frisur erst vor kurzem machen lassen
und sich gerade daran gewöhnt.

Als er durch die Fußgängerzone schritt, erblickte Thomas zu seiner
Rechten einen Bettler, der auf dem Boden hockte und die Passanten hin
und wieder ansprach. Vor ihm lag ein Hut zum Einwerfen der Almosen und
ein Pappschild mit der Aufschrift: "Habe Arbeit und Wohnung verloren
und bin körperbehindert. Bin dankbar für jede Hilfe." Der Bettler war
verwahrlost und hatte schmutzige Kleidung. Mit Unbehagen ging Thomas
an ihm vorbei. Einerseits hatte Thomas Mitleid, andererseits jedoch
Hemmungen, dem Bettler Geld zu geben. Würde der Bettler das Geld nicht
einfach nur versaufen? Doch die eigentliche Hemmung verspürte Thomas
bei der Vorstellung, vor dem Bettler stehen zu bleiben und von oben
herab Münzen in den Hut zu werfen. Wie peinlich das doch wäre, wie
würdelos! Wie sähe das denn aus, wenn man ihn dabei beobachtete? Ein
bisschen leichter fiel es Thomas, einem Obdachlosen Geld zu geben,
wenn der ihm gegenüber stand.

Thomas war ein bedächtiger Junge und hatte die Aura eines gescheiterten Heiligen.
Er hatte einen Heiligenschein, jedoch nicht am Kopf sondern am Hintern.
Ein feinstofflicher Ring aus Energie verlief um seinen nervösen Arsch.
Beim Gehen hatte Thomas meistens eine leicht gekrümmte Haltung,
und sein Oberkörper schwingte etwas dabei. Diese verhaltene Gangart
entsprang seiner unbewussten Angst vor dem S.xualtrieb,
der sich in seiner Hüfte zu konzentrieren schien.
Er blieb vor einem Tchibo-Geschäft stehen und starrte auf das
Schaufenster, das putzig dekoriert war mit Kaffee-Packungen, einigen
Haushaltsgeräten und edler Bekleidung. Im Glas des Schaufensters sah
er ein verschwommenes Spiegelbild seiner selbst. "Jetzt macht mal
endlich was gegen eure Hemmungen, verdammt noch mal!", sagte er in
Gedanken zu sich selbst. In Selbstgesprächen pflegte Thomas den Plural
zu benutzen: Er sagte nicht "ich" sondern "wir", oder er sprach sich
selbst in der Mehrzahl mit "ihr" an.

Thomas suchte immer wieder neue Erfahrungen,
wobei ihm allerdings klar geworden war,
dass er dazu erst seine Grundeinstellung ändern musste.
Das ging nicht ohne Überwindung. Also kehrte Thomas um
und ging zurück zur Stelle, wo der Bettler saß.
Betont langsam und bewusst ging er auf den Bettler zu,
blieb vor ihm stehen und sagte zu ihm: "Hallo, ich habe hier was für dich."
Er griff in seine Hosentasche, zog mit übertriebener Grazie
seinen Geldbeutel heraus und gab dem Bettler einen Euro und fünfzig Cent.
Dann ging er weiter. Na bitte, - ging doch!
Thomas schlenderte weiter durch die Fußgängerzone. Vor ihm gingen ein
Mann mit seiner Freundin, beide Hand in Hand mit einander. Der Mann
griff seiner Freundin in eine Pobacke, worauf ihr knackiger Hintern
reflexartig aufzuckte und sie kurz auflachte. Die Welt war schön! Als
Thomas an einem Computer-Laden vorbeikam, überlegte er, ob er sich
dort noch umschauen sollte, beschloss jedoch, seinen Spaziergang
fortzusetzen.

Er bog in eine ruhige Seitenstraße ab und die Erlebnisse
der letzten Woche gingen ihm durch den Kopf.
"Finger weg von der Muschi!". Die Stimme des Mädchens war noch
in seinen Ohren. Er hatte sich angeschickt,
sie auch zwischen den Beinen zu verwöhnen,
doch sie hatte ihn angewidert abgewiesen.
Daraufhin war er derart erschrocken,
dass er kaum noch richtig weiter machen konnte.
Trotzdem hatte er ein geiles Gefühl, als die Nutte auf ihm ritt.
Nach der Ejakulation fühlte er sich allerdings etwas klamm.
Der Liebesakt war insgesamt eher enttäuschend: atavistisch und geil zwar,
doch gleichzeitig auch demütigend und zwanghaft.
Die Zeitbeschränkung auf zwanzig Minuten war zu ernüchternd.
Dieser dubiose Akt brachte nicht die neue Erfahrung,
die er sich erhofft hatte; und es war für ihn doch beschämend,
ein Liebesspiel gekauft zu haben. Freilich schwelten weiterhin diverse
Fantasien in ihm, und bei den meisten war er das Lustobjekt erfahrener Frauen.
Er bekam Hunger. "Nun hauen wir uns mal was rein", sagte er zu sich selbst,
als er an einem Bistro vorbeikam. Ein Croque mit Schinken und Ananas wäre gar nicht schlecht.

Kapitel 3
---------

Gerade als Thomas das Bistro betrat, das sich "Bistro Schmimanski"
nannte, fuhr ein roter Mercedes heran und parkte davor. Ihm entstieg
Frau Keller, die ebenfalls ins Bistro hinein ging. Drinnen saß ein
dunkelhaariger Mann mit Halbglatze in einem Rollstuhl, ein älterer
Herr, der sich mit einer Frau unterhielt, die um die fünfzig war,
robust gebaut, mit langen gelockten rötlichen Haaren, wachen grünen
Augen und schiefen Zähnen in einem freundlichen Gesicht, an dem große
Ohrringe mit Edelstein-Imitaten lustig herum baumelten. Sie trug
Turnschuhe und war in Hanf gekleidet, mit einer weiten Hose und einer
kurzen Strickjacke, die ihre üppigen Busen verhüllte. Das Bistro war
hell und freundlich eingerichtet. Die Wände waren mit Filmszenen
bemalt, die Tatort-Filmen entnommen waren und den Kommissar Schimanski
lebensgroß in Aktion zeigten.

Als die Frau mit den lockigen rötlichen Haaren merkte, dass Thomas
eintrat, beendete sie das Gespräch mit dem Mann im Rollstuhl und ging
hinter die Theke. Sie war die Besitzerin des Bistros. Thomas hatte
schon die Gier in den Augen, so groß war sein Heißhunger.

"Einen Croque mit Schinken und Ananas wollte ich gerne."

"Auch was zu trinken?"

"Eine Fanta."

Die mütterlich anmutende Frau rief jemandem in der Küche, der Mariano
hieß, die Bestellung zu und sagte Thomas, er müsse noch 5-10 Minuten
warten. Das starke Parfum von Frau Keller versetzte Thomas in Trance.

"Ich nehme dasselbe wie der junge Mann da", sagte Frau Keller lächelnd.

Für etwa zwei Minuten standen sie alle schweigend herum, der Mann im
Rollstuhl, Thomas Herzbaum, Frau Keller und die
Bistro-Besitzerin. Gedankenverloren starrte Thomas eine Wand an, auf
der sich eine große Filmszene befand: Schimanski, in der Hocke
sitzend, schoss aus der Drehung während hinter ihm der dicke Tanner in
Deckung gegangen war und bäuchlings am Boden lag. Thomas begann eine
Konversation.

"Warum eigentlich kann man hier nicht sitzen?"

"Na ja, es gibt Gewerbe-Vorschriften, sagte die Bistro-Frau.

Frau Keller schaltete sich ein: "Nun seien Sie mal ehrlich: Diese
Vorschriften sind doch absurd. Wenn ich zu McDonald's gehe, kann ich
mich an einen Tisch setzen und in Ruhe speisen, - aber hier muss ich
stehen während ich mein Essen herunter schlinge."

"Ja, wer denkt sich diese Vorschriften aus? Was sind das bloß für
Hirnies!", stimmte Thomas zu.

"Natürlich bin ich nicht begeistert davon... Doch Fred ist uns allen
gegenüber im Vorteil", sagte die Bistro-Besitzerin, während sie
verlegen lächelnd mit dem Finger auf den Mann im Rollstuhl
deutete. "Er kann immer und überall sitzen."

"Ja, ja...", murmelte Fred.

Thomas bemerkte nun das T-Shirt, das Fred trug. In weiß auf schwarz
waren darauf vertraute Symbole aufgedruckt: ein großes Alpha und ein
großes Omega, ineinander verschränkt, und ein Kreuz.

"Sie sind ein Jesus-Freak!", stellte Thomas fest.

"Wie bitte? Was ist Fred?", fragte die Bistro-Besitzerin.

"Ein Jesus-Freak! Ich war mal an einem von euren Abhäng-Abenden
dabei. "War echt cool."

"Ach, meinst du mein T-Shirt? Das hat mir jemand geschenkt", sagte
Fred.

"Ihr seid also keine Jesus-Freaks?"

"Jesus! Hör mir bloß damit auf. Ich bin nicht religiös. Das
Christentum hat Schattenseiten, die mir nicht gefallen. Zum Beispiel
ist es eine Ursache für den Antisemitismus."

"Wieso?"

"Na, überleg doch mal. Woher kommt der Antisemitismus? Seit wann gibt
es den eigentlich?"

"Ich weiß nicht genau", überlegte Thomas. "Vor etwa 10 000 Jahren
jedenfalls kann es keinen Antisemitismus gegeben haben, weil es in
jener Zeit noch keine Juden gab. Vor etwa 3 000 Jahren gab es in
Palästina das auserwählte Volk Jahwes, die Juden."

"Zehntausend Jahre, dreitausend Jahre...",sagte Fred. "Das sind doch
Ewigkeiten! Das sind derart lange Zeiträume, dass sich die kein Mensch
mehr vorstellen kann. Zehntausend Jahre, das sind mindestens 200
Generationen, und dreitausend Jahre, das sind immerhin schon 60
Generationen, wenn wir mal annehmen, das ein Menschenleben im
Durchschnitt 50 Jahre währt. Richtig anschaulich vorstellen kann sich
ein Mensch jedoch nur eine Zeitspanne von maximal 100 Jahren. Aber ich
habe dich unterbrochen. Also, wie ging es dann weiter?"

"Wir entnehmen der Bibel, dass dann Jesus kam, der Messias und
Erlöser, der für uns am Kreuz starb und unsere Sünden
entsorgte. Irgendwann danach müsste der Antisemitismus entstanden
sein, wie wir ihn noch heute in Europa vorfinden. Denn die Antisemiten
behaupten, dass die Juden Christus ans Kreuz genagelt hätten und die
Blockierer der Erlösung seien. Ferner sagen die Antisemiten, dass die
Juden traditionell mit Geldangelegenheiten und Zinsen vertraut seien,
- ein Klischee, das aus Gepflogenheiten des Mittelalters stammt, so
viel ich weiß."

"Na also, da haben wir's. Das Christentum ist ein wesentlicher
Ursprung des Antisemitismus."

"Na ja, ob man das so hart sagen kann, weiß ich nicht... Aber ich habe
mit der Bibel auch ein Problem, das ist die Sache mit Judas und der
Vorsehung. Wie konnte von vornherein fest stehen, dass Judas der
Verräter von Jesus war? Das bedeutet ja, dass Judas keinen freien
Willen hatte! Und so was soll ich glauben? Das habe ich noch nie
kapiert."

"Das ist das klassische Problem der Willensfreiheit. Du kannst mich
übrigens duzen, ich heiße Fred."

"Danke. Ich heiße Thomas. Und ihr anderen, wer seid ihr?"

"Nenn mich Tina", sagte die Bistro-Besitzerin.

"Ihr seid vielleicht Typen...", sagte Frau Keller und lächelte.

"Tja, das Problem des freien Willens ist hochaktuell", sagte
Fred. "Neueste Erkenntnisse aus der Gehirnforschung besagen nämlich,
dass der freie Wille in sehr vielen Fällen eine Illusion ist. Nachdem
ich irgend eine Entscheidung getroffen habe, gaukelt mein Gehirn mir
vor, dass ich diese Entscheidung aus freiem Willen getroffen hätte, -
was falsch ist."

"Einen Moment mal. Sie meinen also tatsächlich: Wenn ich glaube, dass
ich mich auch anders hätte entscheiden können in einer bestimmten
Situation, dann täusche ich mich. Habe ich Sie richtig verstanden?",
fragte Frau Keller.

"Genau. Ach übrigens, duzt mich doch bitte alle, das ist einfach
lockerer. Tja, es ist sogar möglich, dass es überhaupt keinen freien
Willen gibt! Die Gehirnforschung liefert in letzter Zeit viele
merkwürdige Ergebnisse. Habt ihr euch schon mal gefragt, wie ein
spontaner Gedanke entsteht? Wenn dir irgend was einfällt, inwieweit
ist das dann dein Gedanke?"

"Boah, vielleicht zu 2 oder 3 Prozent ist das originär mein Gedanke",
meinte Thomas. "Es gibt so vieles, was ich unbewusst aus den Medien
und meiner sozialen Umwelt in mich aufnehme."

"Und nicht nur das. Die Hirnforscher vermuten, dass das Ich eine
einzige große Illusion ist. Das Gefühl, eine Identität zu haben und
ein Selbst zu sein, ist eine Hilfskonstruktion des Gehirns."

"Mein Selbst, eine Illusion? Unsinn! Das Selbst ist doch gerade etwas,
was mich zum Menschen macht. Die meisten Tiere haben kein Bewusstsein
von sich selbst. Erst bei Affen zeigt sich so etwas, - man hat
festgestellt, dass sie sich selbst im Spiegel erkennen können."

"Ja, aber wozu ist das nütze?" Auch ohne ein Bewusstsein seiner Selbst
kann ein Lebewesen durch die Evolution schreiten."

"Könnte man das Bewusstsein von sich selbst irgend wie ausschalten,
zum Beispiel mit Drogen?", fragte Thomas.

"Weiß ich nicht. Könnte sein, aber mir sind bisher keine Fälle
bekannt. Aber lasst mich noch noch mal auf das Christentum
eindreschen. Es trägt eine weitere Widersprüchlichkeit in sich: die
Dreifaltigkeit Gottes. Haben die Muslime nicht Recht, wenn sie die
Falschheit der Christen beklagen, eine Dreifaltigkeit anzubeten,
nämlich sowohl Gott als auch Gottes Sohn Jesus und auch noch den
Heiligen Geist? Die Katholiken beten sogar die heilige Jungfrau Maria
an und sprechen verstorbene Helden heilig, und außerdem gibt es noch
die Erzengel. Im Grunde ist das schon Götzentum, - nichts als ein
Abklatsch der antiken Religionen der Römer und Griechen."

Die Croques waren fertig. Tina, die Bistro-Besitzerin, reichte sie
rüber. Thomas begann vorsichtig, ein Stück von seinem Croque
abzubeißen. Frau Keller verlangte Besteck und zündete sich eine
Zigarette an.

"Aber die Moslems sind doch auch Judenhasser, jedenfalls im
Allgemeinen", wandte Thomas ein.

"Aber zumeist aus anderen Gründen, so weit ich weiß, und außerdem habe
ich ja nur gesagt, dass ich das Argument der Moslems vernichtend
finde, nicht aber, dass der Islam eine gute Religion ist. Der Islam
ist mindestens genau so schlimm wie das Christentum. Alle Religionen
sind Sch...! Ich bin Agnostiker."

Frau Keller sagte: "Wie leicht und locker du das sagst... Doch was ist
wenn du tot bist? Was kommt dann?"

Kapitel 4
---------

"Und wenn ihr tot seid? Häh?"

Frau Keller lachte. "Dann ist Endstation. Da fällt mir übrigens ein
Witz ein."

Auf Drängen aller erzählte Frau Keller ihren Witz: Ein junger Mann
namens Hans wohnt in einem Hochhaus in Duisburg. Mitten in der Nacht
steht Hans auf, zieht sich an und geht auf die Straße. An einer
Bushaltestelle begegnet er Lucifer, dem gefallenen Engel. Lucifer
spricht: "Fürchte dich nicht, Hans. Sage mir nur: Wie spät ist es?"
Hans antwortet: "Es ist halb drei."
"Danke für nichts", sagt Lucifer. "Hör mal, ich habe ein Geschenk für
dich. Du kannst zwischen zwei Möglichkeiten wählen:
a) Ewig frieren, aber dafür ewig leben,
b) Leben wie bisher, aber danach unendlich lange tot sein.
Ich gebe dir zwanzig Minuten Bedenkzeit.
Hans fragt: "Wie ist das mit dem Frieren? Wie kalt werden die Schauder sein,
die mir ewig über den Rücken laufen werden? Darf ich mal probefrieren?"
Da spricht Lucifer: "Du stellst zu viele Fragen, du dämlicher
Lümmel. Ich gehe jetzt wieder. Doch nimm diese kleine Gabe von
mir."
Während Hans benebelt da steht, hebt Lucifer einen Gulli-Deckel hoch,
verwandelt sich in eine Schlange und kriecht in die Kanalisation. Als
Hans aus seinem Traum erwacht, hält er eine Gummipuppe in seinen
Händen.

Niemand im Bistro konnte über den Witz richtig lachen. Alle fanden den
Witz peinlich.

"Hahaha", lachte Fred, eher aus Verlegenheit als aus Drang, "ziemlich
bizarrer Witz, aber etwas unausgegoren, oder? Irgendwie fehlt doch die
Pointe."

"Ich habe so einen ähnlichen Witz", sagte Tina.

"Dann erzähl mal!

"Also", begann Tina. "Ein Mann macht Ferien auf dem Bauernhof. Eines
Morgens sieht er zufällig, wie der Knecht auf den Hof kommt, der
Bäurin unter den Rock langt, sich dann auf den Traktor setzt und
davonfährt. Am nächsten Morgen liegt der Feriengast wieder auf der
Lauer und - sieh da! - das gleiche Spielchen. So geht das jeden
Morgen.

Am Tag seiner Abreise beschließt der Mann, den Bauern über die
Seitensprünge seiner Frau aufzuklären. 'Bauer, deine Frau geht fremd!'
'Wie kommen Sie denn darauf?'
'Na - der Knecht langt ihr jeden Morgen untern Rock, bervor er mit dem
Traktor auf den Acker fährt!'
'Ach - wissen Sie" lacht der Bauer, "meine Frau hat ein Holzbein und
an dem hängt der Traktorschlüssel.' "

Es wurde gelacht.

Es folgte daraufhin ein Reigen von fiesen Witzen, schamlos vorgetragen
von Tina, der Bisto-Besitzerin.

"Eine neue Ökobar hat aufgemacht. Zwei junge Burschen gehen hin, um zu
sehen, was angeboten wird. Die Kellnerin erscheint schneller als
erwartet, und so antworten sie auf die Frage, was sie trinken möchten:
'Zwei Glas Milch, bitte.'
Die beiden staunen nicht schlecht, als die Bedienung ihre Bluse
öffnet, sich ein Glas unter die Brust hält und zweimal kräftig
drückt. Als sie auf diese Weise auch noch das zweite Glas gefüllt und
sich dann wortlos entfernt hat, meint der eine:
'Mann, bin ich froh, dass wir keinen Pflaumensaft bestellt haben!'

Hähähähähä. Hähähä.

"Wie funktioniert der Öko-Vibrator?" Hummel im Bambusrohr..."

Hähähähähä.

"Weshalb bekommt man bei der Samenbank fürs Spenden mehr ausgezahlt als bei der Blutbank? Weil alles handgemacht ist..."

Hähähähä.

"Warum kann Miß Piggy nicht bis 70 zählen? Weil sie bei 69 einen
Frosch im Hals hat..."

Hähähähä.

"Spielen 2 Kinder im Sandkasten. Sagt das eine: ‚Wenn Du mir 'nen
Kuß gibst, dann kriegst Du ein Gummibärchen.' Sagt das andere: ‚Gib
mir die ganze Tüte, dann blas' ich Dir einen.'"

Hähähähä.

"Warum hat der Weihnachtsmann so einen großen Sack? Weil er nur einmal
im Jahr kommt!"

Hähähähä

"Das kürzeste Märchen? - Bück dich Fee, Wunsch ist Wunsch!"

Hähähähä.

"Schon gut, schon gut", beeilte sich Frau Keller zu sagen. Ihr habt
bessere Witze drauf. Aber nun ist gut."

Thomas wischte sich mit einer Serviette etwas Soße ab, die ihm
zwischen die Finger gelaufen war und sagte: "Ich muss sagen, dieser
Croque schmeckt geil. Das ist der beste Croque meines Lebens. Ich
schwöre bei der heiligen Klitoris der Jungfrau Maria, dass ich noch
nie so einen gut schmeckenden Croque gegessen habe. Sagt mal Leute,
was meint ihr: Kann eine Gesellschaft ohne Religion funktionieren,
ohne eine Vorstellung vom Jenseits?"

Kapitel 5
---------

"Damit gelangen wir zu den wissenschaftlichen Vorstellungen von der
Lebensgestaltung. Hier war der Marxismus-Leninismus lange Zeit
führend. Inzwischen hat der Marxismus weitgehend an Einfluss
verloren. Die Linke ist in der Defensive...", sagte Fred.

"Jeder Ismus ist Faschismus. Ich hatte schon immer den Eindruck, dass
die Einteilung nach 'politisch links' oder 'politisch rechts'
großer Quatsch ist. Wer sich nach rechts oder links orientiert,
übernimmt bloß fremde Meinungen und ist im Grunde zu faul, selber zu
denken", sagte Thomas.

"Sei's drum. Jedenfalls muss man heute über die Dynamiken der
Gesellschaft neu nachdenken, zum Beispiel über Geld und Arbeit",
meinte Fred.

"Ja, beim inzwischen verwesten Hodensack von Idi Amin Dada, - was ist
eigentlich die Bedeutung von Geld?", fragte Thomas.

Man diskutierte darauf hin diese Frage. "Lasst uns erst mal analytisch
vorgehen", begann Fred. "Wir reduzieren die Frage, was Geld ist, auf
die einfachsten Beispiele, um eine Ahnung zu bekommen. Wo immer
Menschen zusammen leben, gibt es ein Geben und Nehmen. Der Eine hat
Etwas, was der Andere nicht hat, und ein Anderer wieder hat besondere
Fähigkeiten für eine bestimmte Dienstleistung und so weiter. Das Geben
und Nehmen von Gütern und Dienstleistungen wird durch Geld geregelt."

"Geld hängt mit Arbeit zusammen", meinte Thomas. "Im Schweiße ihres
Angesichts müssen die Menschen die Natur kultivieren: Die Güter wollen
erst mal erwirtschaftet werden, und auch die Dienstleistungen sind
keine Selbstverständlichkeit."

"Genau", stimmte Fred zu. "Schau dich zum Beispiel um, wie sauber
unser Bistro ist und welche Qualität die Croques haben. Um diesen
Zustand der Ordnung aufrecht zu erhalten, ist beständige Arbeit
notwendig. Würde niemand dafür arbeiten, wäre unser Bistro sich selbst
überlassen und würde zerfallen: Die Lebensmittel würden vergammeln,
Insekten würden sich darüber her machen, Dreck würde sich ansammeln
und so weiter. Mit den Worten der Wissenschaft: Die Entropie kann nur
zunehmen innerhalb eines Systems, das sich selbst überlassen ist. Also
muss man ständig gegen die Entropie an arbeiten.
Ein weiteres Beispiel bist du selbst. Dein Körper ist ein Tempel
Gottes. Wenn du nur vor dich hin gammelst, ohne an deinem Körper zu
arbeiten, das heißt, ohne regelmäßig Sport zu treiben, die Zähne zu
putzen, das Gedächtnis zu beanspruchen usw. , - ja, dann wird die
Entropie in deinem Körper zwangsläufig zunehmen. Das Herz, die Lungen
und die Muskeln werden verkümmern, und die Wahrscheinlichkeit für eine
Erkrankung steigt schneller an, als du wahr haben willst. Kurz gesagt:
Man muss Körper und Geist fit halten.

Diese beiden Beispiele zeigen uns, dass die Einstellung stimmen muss,
denn immer wieder muss man den inneren Schweinehund überwinden, um die
Ordnung aufrecht zu erhalten. Selbstorganisation erfordert
Selbstdisziplin. Damit das stabil funktioniert, organisieren wir die
Arbeit in Zyklen und bauen Kontroll-Mechanismen ein. Eine der
wichtigsten Kontroll-Mechanismen ist - das Geld."

Gelangweilt meinte Frau Keller: "Aber das ist doch alles
wohlbekannt. Das sind doch nur Gemeinplätze und Banalitäten. Man kann
halt nicht Marzipan sch...n, - das wissen wir alle. Wie sollen wir
damit auf neue Ideen kommen?"


Kapitel 6
---------

"Nicht so ungeduldig", entgegnete Fred. "So ist nun einmal die
reduktionistische Methode: Wir fangen mit ganz banalen Zusammenhängen
an und arbeiten uns Schritt für Schritt vor, - gleich einer Schlange,
die sich am Boden windet, die sozusagen in den Niederungen der
Gemeinplätze kriecht. Später jedoch bekommt die Schlange Flügel, so
wie die gefiederte Schlange Ketzalkoatl, die Gottheit, die die Azteken
verehrten oder wie die Drachen der Chinesen. Die Schlange wird
aufsteigen und fliegen, und dann sehen wir die Welt mit anderen
Augen. Aber es gibt nichts umsonst, - du musst halt erst Dreck
fressen, bevor du Erkenntnis erlangen kannst."

"Also gut. Wir haben bereits zwei wichtige Funktionen des Geldes
beschrieben: Erstens, die Regulierung des Gebens und Nehmens, und
Zweitens, die Sicherstellung von Stabilität durch Kontrolle. Wie geht
es weiter?", fragte Thomas.

"Voraussetzung für das Geld ist der Begriff der Zahl: Die Menschen
müssen zählen können. In fast allen Kulturen der Erde ist das heute
der Fall. Die gesetzliche Anerkennung des Geldes, - seine Autorität, -
bezeichnet man als die Härte der Währung. Zum Beispiel hat der
US-Dollar eine besonders harte Währung, während Spielgeld, mit dem man
kleine Kinder erzieht, eine sehr weiche Währung hat. Weiterhin kann
der menschliche Geist die Zeit abstrahieren, so dass es auch Schulden
und Zinsen gibt. Die Staatsverschuldung schließlich zählt zu den
Mysterien, die nur eine Handvoll Menschen auf diesem Planeten
verstehen, und das auch nur vage."

"Also hör mal", sagte Thomas. "Nun haben wir schon drei Begriffe:
Geld, Arbeit und Einstellung oder Moral. Wir müssen aufpassen, dass
wir diese Begriffe auseinander halten. Entscheidend sind doch die
Einstellungen. Die Einstellungen sind das Primäre, und das Geld ist
das Sekundäre."

"Ja und Nein", meinte Fred. "Geld entwickelt mit der Zeit ein
Eigenleben. Mafia-Banden zum Beispiel können erbeutetes Geld waschen
lassen. Fahre nach Moskau, wenn du wissen willst was Geld ist. Dort
herrscht heute der gnadenlose Kapitalismus schlechthin. In der reichen
Innenstadt von Moskau kann man alles kaufen was das Herz begehrt, wenn
man genug Dollars hat, - und Vater und Mutter dazu. Doch außerhalb der
Innenstadt liegen die Elendsquartiere, in denen die Armen hungern und
frieren. In Moskau zählt allein das Geld. Wer kein Geld hat, ist
buchstäblich ein Nichts."

"Woher kommt eigentlich das Geld?", fragte Thomas.

"Geld wird gedruckt. Früher war Geld noch eine Art Gutschein für Gold
und repräsentierte ein Versprechen für Dienstleistungen oder
Güter. Doch dann hat sich das Geld zu einer hochgradig abstrakten
Größe entwickelt. Ich habe eben von der Währung des Geldes
gesprochen. Der Wert des Geldes beruht auf Vertrauen. Sehr schnell
kann die Währung absinken, wenn man nicht aufpasst. Das Ganze ist ein
Spiel, das nur so lange funktioniert wie es genug Leute gibt, die
mitspielen."

Es ergab sich eine längere Pause des Schweigens. Die Diskussion
lieferte eine Ahnung von der Komplexität des Geldes, aber leider auch
nicht mehr.

"Kommen wir doch mal wieder zum Thema Arbeit zurück", sagte
Thomas. "Wir haben konstatiert, dass der Mensch die Natur `im Schweiße
seines Angesichts´ kultivieren muss. Aber eigentlich ist das längst
Vergangenheit. Heutzutage nehmen Maschinen uns einen großen Teil der
Arbeit ab. Wer von uns wollte denn im Ernst in der Zeit von vor 200
Jahren leben?"

"Ja. Im Prinzip ist die Technologie ein Segen, - mag sie auch ihre
Schattenseiten haben. Die Technologie hat einen Großteil des Volkes
von der Schwerstarbeit befreit; das ist unbestreitbar. Das ist auch
der Grund, warum die Techno-Musik bei manchen Menschen so beliebt
ist. Wenn wir auf irgend eine Techno-Veranstaltung gehen, wie zum
Beispiel die Love-Parade, den Generation-Move oder Ähnliches, dann ist
das eine Art Kulthandlung. Wir feiern die Befreiung aus den Fabriken,
wenn wir uns mit Techno-Musik volldröhnen lassen und wie von Sinnen in
der Gegend herum hopsen. Unsere Großväter mussten noch in Steinbrüchen
das Erz heraus hauen, an Fließbändern stehen und giftige Dämpfe
einatmen, doch allmählich entwickelten die Ingenieure effizientere
Maschinen und machten damit die Welt menschlicher".

"Na gut, aber was machen wir heute mit den Maschinen? Wir produzieren
immer mehr Waren, und die Müllberge wachsen und wachsen...", sagte
Thomas.

Kapitel 7
---------

"Das stimmt. Aber das ist nicht die Schuld der genial ausgeklügelten
und raffinierten Maschinen. Wir Menschen bestimmen doch letztendlich,
wie wir Maschinen einsetzen und was wir konsumieren. Wenn wir Flüsse
vergiften, Wälder schänden und zu viel Müll produzieren, dann liegt
das nur daran, dass unsere Einstellungen verkehrt sind. Die Maschinen
jedoch sind wertfrei".

Fred erhob sich aus seinem Rollstuhl und ging ein paar Schritte auf
und ab.

"Ich dachte, du wärest gelähmt!", sagte Thomas erstaunt.

"Fred ist kerngesund", sagte Tina lächelnd. "Den Rollstuhl hat er
geerbt, und er findet ihn ganz praktisch."

Als Thomas Herzbaum und Frau Keller ihre Croques aufgegessen hatten,
verließen sie das Bistro. Auf der Straße kam Ihnen ein Mann entgegen,
der um die 40 Jahre alt war, lockige, angegraute Haare hatte und eine
runde Nickelbrille trug. "Ach sieh da, Herzbaum...", zischte er
abfällig und spuckte auf den Asphalt.

Es war Herr Schrödinger, ein Nachbar der Wohnung, in der Thomas
Herzbaum vor einem Jahr bei seinen Eltern gewohnt hatte. Mit seiner
abfälligen Bemerkung spielte er auf die Kurzgeschichte an, die Thomas
Herzbaum vor kurzem in einigen Cafés veröffentlicht hatte. Die
Handlung der Geschichte war primitiv. Ein Freundeskreis von 4 Schülern
traf sich regelmäßig, um Drogen zu konsumieren, die Wechselwirkung von
Geist und Materie zu diskutieren und schwarze Messen zu
veranstalten. Einer von ihnen verliebte sich in eine ältere Dame,
wusste jedoch nicht, dass sie verrückt war. Eines Tages wurde er von
ihr in ihre Wohnung eingeladen, wo sie ihn mit Chloroform betäubte und
fesselte. Als er aufwachte, war er wehrlos und wurde von ihr
vergewaltigt. Um diesen Handlungs-Rahmen herum hatte Thomas diverse
philosophische Gedanken gesponnen, und er hatte außerdem das labile
Beziehungsgeflecht seines sozialen Umfeldes mit all seinen Lebenslügen
aufgezeigt. Tatsächlich fühlten sich einige Leute von diesen Gedanken
persönlich angegriffen, und so manches jahrelang konservierte
Lügengebilde fiel in sich zusammen wie ein Kartenhaus.

Schon seit einigen Jahren hatte Thomas die Ideen für die
Kurzgeschichte mit sich herum getragen, doch lange Zeit brachte er es
nicht fertig, sie in eine Form zu gießen und zu Papier zu bringen. An
einem langen Wochenende im November fing er dann doch damit an. Es war
ungefähr so wie Erbrechen. Es war eine zähe Plackerei, und ihm war
ständig übel dabei. Wenigstens bekam er nach und nach das Gefühl, sich
zu "reinigen". Aber er traute sich dann doch nicht, die Geschichte
unter die Leute zu bringen.

Bis etwa einen Monat später Christoph wieder in Duisburg auftauchte,
ein alter Freund, der vor ein paar Jahren nach Hannover umgezogen
war. Christoph und Thomas trafen sich nachts in einer Kneipe, und
Thomas gab ihm das Manuskript. "Gar nicht so schlecht", fand
Christoph. "Mit etwas Technik könnte man die Geschichte allerdings
noch verschärfen. Manchmal schreibst du zu geschwollen. Hier zum
Beispiel..."

Und dann... Welch eine Zauberei! Mit dem Streichen überflüssiger
Wörter verbesserten sie das Machwerk zu einer Geschichte, die das
Gehirn fickt. Schon eine Woche später hatte Thomas sie im Prinzip
fertig geschrieben. Um noch mehr Drive zum Schreiben zu bekommen,
besorgte Thomas sich Kokain. Er fuhr nach Frankfurt ins
Bahnhofsviertel. Nebenbei versuchte er dort, seine Restbestände von
Haschisch zu verscherbeln. Das Hasch hatte ihn einst zu neuen Ideen
geführt, doch erwies es sich mit der Zeit als weniger förderlich. Zu
sehr verstärkte es den Hang zur Schläfrigkeit, den Thomas schon seit
jeher hatte. Nun aber sollte das Koka den Herzschlag kräftigen und
dazu beitragen, dass Thomas kristallklare Gedankenpaläste erbauen
würde, empor ragend aus dem seelischen Morast seines verdorbenen
Geistes.

Das Frankfurter Bahnhofsviertel, - ein Eldorado der Geilheit. Eine
Halbwelt im bunten Glitzerlicht der Porno-Läden, Animier-Bars und
billigen Eros-Center. Hier fand er einige Junkies, die ihm Koka
verkauften. Viel fehlte nicht, und er wäre vollends in den Strudel der
Drogen-Szene hinein geglitten. Ah, diese durchgeknallten Weiber, diese
verdammten Psychohühner, die ihn fragten, ob er nicht mal mit ihnen
ins Hotel gehen würde, um sich Koka rein zu ziehen! Er riss sich
halbwegs zusammen, obwohl es ihm sehr schwer viel. Er ging zwar noch
mit einer Schlampe in eine Videokabine, und es verblüffte ihn, mit
welcher Gewandtheit sie sein Glied in sich schob; - (bei jenem
sittenwidrigen und scheinbar willenlosen Vorgang war der eigentliche
Dreckskerl Thomas und nicht die süchtige Schlampe, dessen war er sich
bewusst). Doch Weiteres unterließ er. Beim Drogendeal jedenfalls hatte
er unverschämtes Glück, denn er bekam eine beträchtliche Menge Kokain
und nahm es mit nach Hause.

Wo er sich dann in einen Rausch schrieb. Er brachte die Kurzgeschichte
unter Pseudonym zum Abschluss, und die Atombombe ging hoch. Später kam
es jedoch raus, - leider, - dass Thomas der Autor war. "Haben Sie das
geschrieben?", fragte ihn Herr Schrödinger eines Tages, als sie sich
im Treppenhaus begegneten. Thomas wollte es zunächst abstreiten, denn
es war ihm wahnsinnig peinlich, aber es half nichts. Von nun an musste
er mit diesem Stigma leben. Es war fast so schlimm wie eine
Gesichts-Tätowierung, die man nicht mehr rückgängig machen
konnte. Seine Eltern waren fassungslos ob dieser Schande. "So was
schreibt mein Sohn? Mein Sohn? Ab heute kenne ich dich nicht mehr. Für
mich bist du tot!", sagte sein Vater zu ihm. Seine Mutter weinte
bitterlich, verfiel in Depressionen und nahm sich schließlich das
Leben. Auch sein Bruder und alle anderen Leute wollten nichts mehr mit
ihm zu tun haben.

"Wer war das denn?", fragte Frau Keller.

"Ach der. Das ist ein Spinner. Bitte kümmern Sie sich nicht weiter
darum", sagte Thomas.

Frau Keller lud Thomas ein, in ihren roten Mercedes einzusteigen. Sie
öffnete Thomas die Beifahrertür, und als er sich bückte um
einzusteigen, griff sie ihm von hinten zwischen seine Beine. Dann
fuhren sie los.

Kapitel 8
---------

Sie fuhren etwa eine halbe Stunde auf der Landstraße. Im Autoradio
sprach man über die Gefahr des globalen Terrorismus. Als sie unter
einer Brücke fuhren, sagte Thomas: "Wenn man nachts auf diese Brücke
geht und Steine von ihr herunter wirft, kann man einen Zufallsmord
begehen ohne jemals erwischt zu werden."

Frau Keller schwieg.

Sie kamen an einem Billardcafe vorbei. Frau Keller fuhr den Wagen auf
einen Parkplatz und sagte: "Ich muss mal pissen. Kommst du mit?"

"Ja. Man wie sieht das Haus hier krass aus. Das würde ich mir kaufen,
wenn ich im Lotto gewonnen hätte."

"Finanzielle Unabhängigkeit ermöglicht ein Leben in Autonomie!"

"Ja, da hätte ich ein konkret selbstbestimmtes Leben: den ganzen Tag
nur fernsehen, Video spielen, fressen, f...n, sch...n und
schlafen. Und wenn es nach 80 Jahren dem Verrecken zu geht, dann ist
eben Ende mit Abfeiern."

Sie betraten das Billardcafe und gingen zu den Toiletten. Thomas
spürte schon die ganze Zeit ein leichtes Ziehen in den Gedärmen. Er
setzte sich auf die Klobrille und vertiefte seinen Blick in eine
Telefonnummer, die an die Scheißhaustür geschrieben war. Um das
Sch...n anzuregen, zündete er sich eine Zigarette an. Auf der Klotür
stand ganz unten noch etwas geschrieben, so dass er sich ziemlich weit
vorbeugen musste um es zu lesen. Darauf stand: "Sie sch...n jetzt in
einem Winkel von 45 Grad."

Dann saßen Frau Keller und Thomas wieder im roten Mercedes. "Was
machen wir jetzt?", fragte Thomas.

"Wir fahren zu mir nach Hause. Warte mal einen Augenblick. Ich
hole den Stadtplan aus dem Kofferraum raus."

Während Frau Keller zum Kofferraum ging, versuchte Thomas, im
Autoradio einen anderen Sender einzustellen und drückte ein paar
Tasten. "Mal sehen, ob es nicht einen Sender gibt, der vernünftige
Mucke abstrahlt...", murmelte er vor sich hin. Er fand einen Oldie,
das Lied "Hotel California" von den Eagles. "Geil, ein echter
Evergreen, dieses Lied", sagte Thomas noch, als er plötzlich spürte,
wie sich ein feuchtes Tuch gegen sein Gesicht presste, so dass ihm
zunächst der Atem stockte. Es roch fürchterlich nach Chemie. Und dann
wurde mit einem Mal alles schwarz und Thomas war weg.

Als Thomas wieder aufwachte, stand er angekettet an einer Wand und
erblickte Frau Keller, die auf einem schwarzen Ledersessel saß. Frau
Keller war auffällig geschminkt, hatte entblößte Brüste und trug enge
schwarze Gummihosen und Reitstiefel. Thomas war splitternackt.

"Hey, was soll das?", fragte Thomas noch völlig benommen.

Frau Keller stand auf, stellte sich vor ihm, kraulte mit ihren langen
Fingernägeln seine Haut und leckte mit ihrer Zunge an seinen
Brustwarzen. Schon begann sein Glied sich aufzurichten.

"Lass doch den Unsinn, bind mich los", stammelte Thomas, obwohl er gleich merkte, dass diese Worte überflüssig waren in Anbetracht dieser bizarren Situation.
Im Sado-Maso-Zimmer ihrer neuen Wohnung hatte Frau Keller wieder
einmal einen Sklaven unter ihre Kontrolle gebracht. Er würde ihr
sicher noch ein oder zwei Monate Vergnügen bereiten. Die neue Wohnung
von Frau Keller befand sich in einem Randgebiet von Düsseldorf, in der
Nähe des Flughafens. Thomas sollte nicht der Letzte sein, der dort
endete. In jenem Tal der Träume.

Es ist eine Binsenwahrheit, dass die stärkste Glücksempfindung dem
evolutionären Zwang zur Arterhaltung entspringt. Viele verirrte Seelen
versuchen, ihr körpereigenes Belohnungssystem auszutricksen, indem sie
die schönste Sache der Welt in unnütze Sado-Maso-Spiele verkehren und
ihr Erleben mit Drogen beeinflussen.

Kapitel 9
---------

Es war etwa ein Monat vergangen, seitdem Frau Keller aus ihrer Wohnung
ausgezogen war. Die Wohnung lag im 15. Stockwerk des Plattenbaus. Es
ergab sich, dass ein neuer Mieter in die Wohnung nebenan einzog:
Fabian Romanowski, ein 29 Jahre alter Soziologiestudent, ein langer
schlanker Mann mit Glatze, blauen Augen und heller Kleidung. Meistens
trug er eine weiße Jogginghose, ein weißes Sweatshirt und ein rotes
Halstuch.

Er brauchte etwa eine Woche, um sich einzurichten. Ihm fiel auf, dass
Frau Adorno, die unten im Erdgeschoss lebte, einen Putzfimmel hatte,
aber die Leute in den oberen Stockwerken zur Verwahrlosung
neigten. Mit zunehmender Höhe des Stockwerks sank die Moral der
Bewohner ab, so erschien es ihm.

Was ist Moral? Fabian Romanowski kraulte sich mit der rechten Hand
seinen Glatzkopf und dachte nach. Im Gegensatz zum Tier, das sich
unbewusst verhält, handelt der Mensch bewusst und trifft
Entscheidungen. Er muss Entscheidungen treffen, ob er es will oder
nicht. Auch keine Entscheidung zu treffen ist schon eine Entscheidung.

Man unterscheidet Moral und Ethik, zwei Begriffe, die der lateinischen
und altgriechischen Sprache entstammen. Die Moral ist der Grundsatz,
nach dem der Mensch handelt. Die Ethik stellt die Frage nach der
Bedeutung, Geltung und Begründung moralischer Sätze. Sie ist die
philosophische Untersuchung der Moral. Die Grundfrage lautet: Welche
Handlungen und welche Entscheidungen sind richtig oder falsch?

Es war acht Uhr abends. Fabian stand vor der Wohnungstür, an der noch
das Namensschild "Keller" angebracht war. Noch wusste Keiner, dass
Frau Keller dort gar nicht mehr wohnte. Ein seltsamer Gestank ging von
der Tür aus.

"Hier stimmt doch etwas nicht", sprach eine innere Stimme zu ihm. Er
drücke den Klingelknopf.

Nichts rührte sich. Er klingelte noch viermal, dann beschloss er,
Nachbarn zu fragen. Er ging die Treppe hinunter. Im 14. Stockwerk
wohnte niemand. Im 13. Stock klingelte er an eine Tür, dessen Bewohner
"Lehmann" hieß.

Die Tür öffnete sich einen Spalt breit. "Ja? Was wollen Sie?", ertönte
eine Stimme. Man hörte außerdem den Fernseher, in dem gerade die
Tagesschau lief.

"Guten Tag, mein Name ist Romanowski. Ich bin neu eingezogen. Ich
glaube, dass bei meinem Nachbarn etwas faul ist. Es stinkt dort
fürchterlich, und keiner macht auf."

"Ach, kümmern Sie sich doch um Ihren eigenen Kram". Die Tür schloss
sich wieder.

"So ein Idi.t", murmelte Fabian. "Gibt es hier einen Hausmeister?",
kam es ihm in den Sinn. Aber dann hatte er doch keine Lust mehr, sich
um die Angelegenheit zu kümmern. Vielleicht musste er sich einfach an
das andere Look and Feel gewöhnen, das seine neue Wohngegend
hatte. Eigentlich waren ihm Äußerlichkeiten egal. Sollten die Leute
doch nur ihre Schöner-Wohnen-Zeitschriften horten und über Feng Shui
quatschen. Letztenendes sind das nur Gefühle und Illusionen.

"Die Materie an sich existiert unabhängig von meinem Erleben", sagte
Fabian sich. "Ich koste jede Sekunde meines Lebens aus und vergeude
meine Zeit nicht mit Nebensächlichkeiten."

Er konnte nicht ahnen, was ihm am folgenden Tag widerfuhr. Der
Schrecken war groß, als die Polizei schließlich die Wohnungstür von
Frau Keller aufbrach. Vorsichtshalber wurden Spezialisten von der
Spurensicherung her bestellt, da zunächst Einiges auf ein Verbrechen
hin deutete. Fliegenschwaden, Maden, tote Tiere, Leichengeruch,
Moder... Jeder, der das erlebte, wurde in seiner Seele verändert und
tat ein bisschen sterben. Aber halt, - ein bisschen?

Man kann nicht ein bisschen sterben, denn der Tod ist
unwiderruflich. Der Tod ist das absolute Ende, eine Singularität wie
die Zahl Null oder die Unendlichkeit. Wenn ein Mathematiker die Null
falsch anwendet, gilt er als Dilettant; aber wenn eine Dumpfbacke
daher kommt und einen Abschied als "ein bisschen Sterben" bezeichnet,
gilt sie gleich als Dichter.

Es ist vermutlich auch dem Leser klar, dass der Ausdruck "ein bisschen
Sterben" ein verharmlosender Unfug ist. Auch wenn nur Teile deines
Körpers wie beispielsweise Zähne oder Gehirnzellen, oder Sinne wie
dein Gehör absterben, so sind sie doch tot und somit für immer
verloren. Du solltest dir das gründlich klar machen, bevor du irgend
eine weit reichende Entscheidung triffst. Warum überhaupt liest du
diese Geschichte hier zuende? Das beweist doch nur, dass du auch nicht
ganz sauber bist. Du hättest die Geschichte ja gar nicht bis hierhin
lesen müssen. Du hast dich dafür entschieden, und du hast nur gekriegt
was du verdient hast.

Fabian Romanowski hatte der Polizei und den Zeitungsreportern alles
gesagt, was zu sagen war. Er nahm einen heißen Schluck
Fencheltee. Gut, dass er seine Toilette noch rechtzeitig erreicht
hatte, bevor er sich übergeben musste. Nun ging es ihm wieder etwas
besser.

Er reflektierte den Fleischkonsum in seinen Gedanken. In der
Entstehungsgeschichte des Menschen war der Verzehr von Fleisch eine
wichtige Bedingung zur Entwicklung des Großhirns. Andere
Hominidenarten, die sich vegetarisch ernährten, starben allmählich
aus, obwohl sie körperlich robuster gebaut waren. Die Verdauung rein
vegetarischer Kost ist umständlich. Die Arten jedoch, die auch Fleisch
verzehrten, hatten durch den Verzehr von tierischen Proteinen eine
schnellere Umsetzung der Nahrung in Energie. Dadurch wiederum hatten
sie mehr Zeit für die Entwicklung von Werkzeugen, wodurch sich auch
ihr Gehirn weiter entwickelte. Durch die Weiterentwicklung des Gehirns
wiederum konnten sie mehr Fleisch erjagen. Das war wiederum
vorteilhaft für den Stoffwechsel. Dadurch entwickelte sich wiederum
das Gehirn besser. Ein Aufschaukelkreis war entstanden.



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Knut, Sunday, 01. November 2026, 21:13 @ Tach


Als Antwort auf: Re: Gibt es den Weihnachtsmann überhaupt? von Tach am 24. Dezember 2002 20:31:07:

  328 Views

Re: Gibt es den Weihnachtsmann überhaupt?

Dirk @, Wednesday, 25. December 2002, 10:36 @ Alex


Als Antwort auf: Gibt es den Weihnachtsmann überhaupt? von Alex am 24. Dezember 2002 20:29:41:


Danke für deinen Beitrag *g*

Er zeigt mir wieder, mit was sich die Menschheit für WICHTIGE Themen so beschäftigt. Das 'Wunder von Manhattan' erklärt aber viele dieser aufgeführten, hochwissenschaftlich belegten Berechnungen ganz einfach mit einem Fakt:
Der Weihnachtsmann sprengt die Grenzen unserer Realität nicht nur ein klein bischen, er ignoriert sie ständig. (Macht er sich dadurch nicht strafbar?)
Da bisher jegliche Suche nach der Behausung des Weihnachtsmannes auf dem Nordpol erfolglos blieben, müssen wir davon ausgehen, daß er entweder eine hochentwickelte Tarnkappentechnologie besitzt oder es schafft, was logischer erscheint, eine Art Raum-Zeittasche zu erschaffen, in der seine Werkstätten liegen. Die gleiche Technologie, die durchaus und Form von Nanotechnik vorhanden sein kann, umgibt demnach auch seine Rentiere, den Schlitten u.s.w., ja vielleicht sogar seine Kleidung, wenn man bedenkt, daß der Weihnachtsmann doch sehr beleibt ist und wohl so ziemlich jeden Schornstein sprengen würde, durch den er sich hindurchzwängt. Weiterhin dürfte es schwierig sein, sich in Wohnungen zu begeben, die nicht durch einen Schornstein mit der Außenwelt verbunden sind. Da dies jedoch auch immer wieder vorkommt (den Berichten von Eltern folgend, die keine Ahnung haben, woher die hässlichen Socken für die lieben Kinder kommen), ist der Weihnachtsmann zudem noch ein höchst raffinierter Einbrecher. (Macht er sich nicht auch dort strafbar?)

Wie auch immer. Die Wahrscheinlichkeit, daß der Weihnachtsmann irgendwie geschafft hat, die Grenzen von Zeit und Raum zu sprengen und darüberhinaus schon verdammt lange lebt, stellt sich die Frage, ob der Weihnachtsmann nun ein Alien ist oder nicht.
Soviel zur eigentlich dringend anstehenden und hochaktuellen Folge von <b>Akte X</b> mit dem Titel <b>Frohe Weihnachten</b>, der nie gedreht wurde.


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