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Wolli, Monday, 02. November 2026, 16:32 @ Knut


Als Antwort auf: Nationalismus und Fußball von Knut am 26. Juni 2002 20:22:52:

Die Deutschen sind doch eine sehr schwammige und sehr unterschiedliche <Gemeinschaft. Da sind sehr sehr viele Leute dabei, bei denen ich absolut <keinen Wert darauf lege mit ihnen eine Gemeinschaft zu bilden, geschweige den, <nur weil ich einen Deutschen Pass habe (den das ist ja wohl das Kriterium der <Nationalität), mit ihnen in einer Gemeinschaft zu landen.

*lol* Klaro. Aber die Sache ist die, dass man - ohne dass ich ne Diskussion um die Leitkultur lostreten will - in unseren Breiten immerhin einen gewissen gesellschaftlichen Grundkonsens finden kann, mit dem man gut leben kann und will (jedenfalls ich, vor allem hier im Rheinland). "Den Deutschen" gibt es sicher nicht, aber irgendwie dann im Schnitt doch wieder. Es gibt gewisse Dinge, die verbinden einen eben, sei es eben nur die Liebe zur Nationalmannschaft ;o)

<Natürlich braucht der Mensch ein Gruppe, eine Gemeinschaft in der er lebt. <Doch bei mir ist das weniger die Nation als meine nähere Umgebung. Eine <Gemeinschaft auf Nationaler Ebene zu konstruieren ist doch mindestens so <fiktive wie 'one world in love'.

Ich gebe Dir völlig Recht, die "echte" Gemeinschaft sucht man sich fraglos selbst. Aber dennoch kann man schon eine gesunde Liebe zu seinem Vaterland entwickeln, das ja - wenn man mal ganz ehrlich ist - so übel auch nicht ist. Nationalstolz ist so ein furchtbar schwülstiges Wort. Auch die ganze Diskussion darüber befremdet zugegebenermaßen gerade heute doch sehr. Aber ich finde nicht, dass es eine "konstruierte, nicht reale Gemeinschaft" ist, irgendwas ist da schon dran. Und Deutschland ist nicht nur eine "Institution, die dazu geschaffen wurde, Dich und mich zu regieren"! Deutschland ist ein Staat und Menschen brauchen - glaube ich - (leider) Staaten & Regierungen. Im Mittelalter gab es immer diese fetten Vordenker mit ihrem Gefasel um Gesellschaftsverträge und so - homo homini lupus und so ein Zeug. Das hat einen in der Schule immer angekotzt, aber heute glaube ich, dass da ne Menge dran ist. Die Entwicklung heute geht klar weg vom Zusammenschluss aller im Staat. Da liegst du voll im Trend. Aber ob die Entwicklung so weise ist, halte ich für sehr fraglich... Wir leben in einer Zeit des Werteverlustes und den grenzüberschreitenden Großkapitalismus. (Bah, jetzt klinge ich wie Kalle Marx) So klasse ist das nicht. Und wenn man dann ein bisschen Kirchturmpolitik in seinem Heimatstaat hat, dann hat das - jedenfalls für mich - durchaus seinen Reiz. In Deutschland liegt zwar seit 30 Jahren vieles (vielleicht alles) politisch und regierungstechnisch im Argen, aber wir sind zäh. Et hätt noch immer joot jejange...

Wo ich dir aber uneingeschränkt zustimme, ist dass das "Wir"-Gefühl von "Eliten" - bah, schon wieder Marx - definiert wird und leicht zu missbrauchen ist. Hat der olle Rousseau ja immer schon treffend formuliert... Das ist aber definitiv kein Problem von Nationalstolz, sondern von DUMMHEIT (auch Rousseau). Und Dummheit gibt es auch, wenn man Nationalstolz beiseite schiebt. Da brauchen wir ja nur auf unseren "war against terror" zu gucken, oder? Was man uns da alles so verkauft, geht auf keine Kuhhaut. Nicht mal auf ne Terroristenhaut...


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