Estichà Unterer Markt

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tritt vor das Volk

Jhiatara Jascara Chranijas @, Tuesday, 04. September 2001, 18:56


Benachrichtigt über die Vorgänge am Unteren Markt ist Jhiatara Jascara Chranijas mit einer Truppe von Wachen und Leibwächtern begleitet zum Unteren Markt aufgebrochen. Dort sperren die Wachen einen Teil des Areals ab und Jhiatara tritt, in ein schlichtes Kleid gehüllt, auf die immer noch dort stehende Tribüne.
Sie blickt einige Zeit in die Gesichter der sich zusammenballenden Bürger und erhebt dann ihre Stimme.

"Estichàner,
es mag merkwürdig erscheinen, warum ich hier stehe und mich nun scheinbar rechtfertige. Man sagt, nur der Schwache muß seine Taten rechtfertigen. Aber ich möchte das neue Kapitel in der Geschichte der westlichen Welt nicht mit Angst und Zweifel beginnen, sondern mit Klarheit darüber, was geschehen ist und was geschehen wird.

Bei den letzten Ratswahlen gab es für fünf Plätze sechs Kandidaten. Das hat mich erschreckt. Wie wenige gab es doch, die über die Stadt mitbestimmen wollten. Und die Anzahl der Bürger, die wählten, nahm beständig ab. Die Ratswahl verkam nicht nur zu einer Schlammschlacht, in der sich ehrbare Bürger gegenseitig schmutzige Geschichten unter die Nase rieben und in den Tavernen übereinander tuschelten, nein, sie war vielmehr ein Trauerspiel, konnte doch von den sechs so gut wie jeder sicher sein, gewählt zu werden und sich mit den Worten: "Ich werde für das Handwerk etwas tun." in den Rat wählen lassen. Und diesen Satz hat jeder gesagt, auch ich. Jeder hätte in den Rat gewählt werden können, jeder. Egal, mit welchem Motiv, egal, ob er an das Geld, das die Mitglieder des Rates bezahlt bekommen, kommen oder ob er wirklich für die Stadt etwas bewegen wollte. Ein Glücksspiel um die Zukunft der Stadt. Und während der Rat sich monatelang durch Gildensatzungen und Feuerschutzbestimmungen fraß, war große Politik kaum möglich, denn nicht nur, dass jedes Jahr andere im Rat sitzen und sich alles veränderte, sondern auch man selbst konnte letztlich nicht sicher sein, ob man nicht zu denen gehört, die nicht mehr gewählt werden, wenn man nicht mit seinen Reden den Nerv des Volkes trifft. Bei alledem schnürte es mir vor Wut die Kehle zu, denn so war es nur eine Frage der Zeit, bis der nächste Bürgerkrieg Estichà heimsucht oder Vorovis uns von der Landkarte fegt, das einst stolze Estichà, das auf seinem Weg zur Provinzialität und Bedeutungslosigkeit vor lauter Papierstapeln nicht mehr über den Tellerrand schauen konnte.

Als der Rat auseinanderbrach, da kamen wir zusammen. Die Priesterschaft, die Offiziere der Armee, der Richter, die Stadtverwaltung und das, was vom Rat übrig war. Wir standen am Scheideweg der Geschichte, frei in allen Möglichkeiten, frei, eine neue Zukunft für Estichà zu schaffen. Und wir wählten den Weg, der Estichà von einem bedeutungslosen Stadtstaat am Rande des Meeres zur Hauptstadt eines starken Landes macht.

Ich bin schon lange in dieser Stadt und habe mich auch schon immer um die Politik in dieser Stadt gesorgt und gekümmert und versucht, sie mitzugestalten. Und ich bin keine Tyrannin. Ich will keine Diktatur. Ich habe mich nicht gegen die Diktatur von Vorovis gestellt, um nun selbst zu einer Unterdrückerin zu werden. Das würde alles verraten, woran ich glaube.
Aber es darf kein Zögern geben, kein Gerede, keine Lähmung des Staates durch Kleinigkeiten. So funktioniert die Politik nicht, nicht in dieser Zeit und nicht mit Vorovis und Men-Achor vor unserer Haustüre.
Aber jedes Reich braucht ein starkes Herz und dieses Herz ist Estichà. Und hier soll der Rat genau das tun, was er kann wie niemand anderer: für die Bürger sprechen, die Gemeinschaft zusammenhalten und bestehend aus Patriziern, Handwerkern und Händlern die Stadt gesund und stark erhalten, eingebettet in ein Reich, eine Nation, die gezielt und mit Weitblick, Stabilität und Klarheit aufgebaut wird von einer festen Regierung. Und der Rat Estichàs wird frei und gerecht gewählt. Ich hoffe, ja ich wünsche mir, dass Pet, Kolar und Liro wieder hier stehen können und gewählt werden, auch wenn das bedeuten könnte, dass die neue Regierung in einem fort vom Rat kritisiert wird, dann soll es so sein, es ist ihr gutes Recht und sie sollen mit freiem, ungebundenem Geist die Stadt führen und nicht uns nach dem Mund reden.
Ich möchte aus Elurya ein starkes, einiges Land machen, das mehr ist, als der politische Witz, der es bisher war. Ich will keinen Krieg, sondern möchte ein Land, das dem Wahren Glauben dient und seine Bürger beschützen kann. Ein Territorium, eine Infrastruktur, Dörfer und Landstädte, die uns helfen, gegen die Stürme der Geschichte bestehen zu können. Und ich will das mit Euch, Euch Eluriern tun, und nicht gegen Euch oder über Euch hinweg.
Die, die mich wirklich kennen, wissen, dass ich keine Tyrannin bin, es noch nie war und ich es nie sein werde. Ihr seid frei zu sagen was ihr wollt, zu gehen wohin ihr wollt, zu tun was ihr wollt, solange es im Namen der Götter getan und nicht unser Land in Chaos und Aufstand stürzt.
Ich kann niemandem befehlen, mir zu vertrauen. Ich kann Euch nur bitten, es zu tun und schwöre bei den Göttern, dass das meine Motive sind und dass ich alles, was ich gesagt habe, wirklich will."

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Re: tritt vor das Volk

Frau vom Blumenstand @, Tuesday, 04. September 2001, 21:54 @ Jhiatara Jascara Chranijas


Als Antwort auf: tritt vor das Volk von Jhiatara Jascara Chranijas am 04. September 2001 18:56:50:

Ich kann niemandem befehlen, mir zu vertrauen. Ich kann Euch nur bitten, es zu tun und schwöre bei den Göttern, dass das meine Motive sind und dass ich alles, was ich gesagt habe, wirklich will."

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Mit feuchten Augen zerrupft die Frau vom Blumenstand ein paar Rosen, wirft die Blütenblätter in die Luft und ruft.
"Lang lebe Jhiatara!! Lang lebe Esticha!!"

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Re: tritt vor das Volk

Tagamoga Perital @, Wednesday, 05. September 2001, 01:14 @ Jhiatara Jascara Chranijas


Als Antwort auf: tritt vor das Volk von Jhiatara Jascara Chranijas am 04. September 2001 18:56:50:

Tagamoga hört der Rede stumm zu. Ihre Stirn kräuselt sich etwas mit fehlenden Verständnis, als sie Jhiatara nicht wie gewohnt in glänzender Seide und mit Schmuck behangen sieht. Skepsis zeigt sich auf ihrem Gesicht, als die Chira eine solch große Lücke zwischen sich und dem Volke herstellt. Immer mehr Schüttelt sie leicht den Kopf, als immer öfter die Rede davon ist, was die ehemalige Ratsvorsitzende will und möchte. Je mehr "ICH will" und "ICH möchte" ertönen, desto mehr kräuselt sich die Haut unter ihrem Haaransatz. Als sie die erste Blumenfrau jubeln hört, murmelt sie leise:
"Genau das befürchte ich, daß sie genau das versuchen wird wahrzumachen."
Ohne diese Szenerie weiter zu verfolgen oder auch irgendwie einzugreifen, dreht sie sich um und begibt sich zur Schreinerei.

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