Estichà Unterer Markt

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P R O K L A M A T I O N

Maria Villa Lobos @, Thursday, 02. August 2001, 23:33


Bereits seit Stunden geht die Kunde auf den Straßen um, daß die Stadtkommandantin demnächst eine Erklärung zur Situation abgeben wird. Die Gerüchte überschlagen sich. Was wird sie wohl sagen? Die Gebildeteren sprechen altklug vom Paragraphen 16, die einfacheren Geister hoffen einfach auf irgendeine Erklärung der Lage. Als dann von den Stadtwachen verkündet wird, daß die Kommandantin zum Volk sprechen wird, versammelt sich alles auf dem Oberen Markt, was dort Platz findet. Die Wachen haben das Ratsgebäude systematisch abgeriegelt und beäugen aufmerksam die Menge.

Dann öffnet sich die Tür zum oberen Balkon und drei Personen treten heraus. Zuerst erscheint Maria, gekleidet in eine Kettenrüstung mit dem blau-weißen Wappenrock von Estichà darüber. Ihre Haare sind kunstvoll hochgesteckt, und ihr Gesicht wirkt ernst und unnahbar. Ihre treue Klinge aus Men Achor hängt an ihrer Seite.
Hinter ihr betritt Obrist Jolumbu den Balkon. Der muskulöse Sragon ist ebenfalls gerüstet und bewaffnet, und sein mächtiger kugelbewehrter Schwanz peitscht nervös herum. In gebührendem Abstand, um von dieser natürlichen Waffe nicht das Knie zertrümmert zu bekommen, tritt als dritter im Bunde Leutnant Daval Yakanta Mondrivial aus der Tür. Der elegante Chira ist in eine tadellose Uniform gekleidet und nimmt an Marias linker Seite Aufstellung, während Jolumbu rechts von ihr steht.

"Volk von Estichà!" erhebt Maria die Stimme. "Ihr alle wartet mit Spannung auf eine Klärung der Situation. Inzwischen sind drei Mitglieder des Hohen Rates verschwunden, auf verschiedene Weise. Feindliche Kräfte verspotten uns und warten bereits auf den besten Moment, um zuzuschlagen und unsere führungslose Stadt zu zerstören. Ausgerechnet in einer Zeit des Sturms treibt unser Schiff führungslos dahin.
Das wird sich jetzt ändern. Ich übernehme hiermit das Kommando über die Stadt und werfe damit meine Person und alles, was ich an Kraft aufbieten kann, für Estichà in die Waagschale. Ein Schiff braucht einen Kapitän, und euer Kapitän werde von nun an ich sein. Ich schwöre bei Mra Aggar und Hostinos, daß ich alles tun werde, um unser Schiff wieder in ein sicheres Fahrwasser zu bringen.
Formal wende ich hiermit den Paragraphen 16 der Verfassung an. Dort steht, daß die Stadtkommandantin im Falle eine Beschlußunfähigkeit des Rates alles in ihrer Macht stehende tun muß und kann, um die Beschlußfähigkeit wieder herzustellen. Ich nehme also hiermit das Ruder in die Hand, um Estichà wieder eine handlungsfähige Regierung zu geben."

Maria sieht über das Volk und blickt dann Jolumbu und Daval an. Mit leicht zitternder Hand öffnet sie ihre Feldflasche und trinkt einen Schluck - vermutlich Rum, wie Eingeweihte sich denken. Dann läßt sie die Katze aus dem Sack.

"Die neue Regierung, die ich für Estichà installieren werde, wird aber nicht wieder der Hohe Rat sein. Wie ich eben schon sagte: Ein Schiff braucht einen Kapitän. Wenn es stürmt, dann muß der Kapitän auf der Brücke stehen und Entscheidungen treffen. Unser Schiff wurde bisher von einer Gruppe diskussionsfreudiger und überbezahlter Ratsherren regiert. Wie die "Ritter der Schwafelrunde" saßen sie da und zerredeten alles, während Chancen an Estichà vorbeizogen. Wirklich zukunftsweisende Politik war nicht möglich, da jeder Ratsherr an seine Wiederwahl in einem Jahr denken mußte.
Aber sie haben das Volk vertreten, höre ich Stimmen. Haben sie denn das? Sicher, sie wurden gewählt. Aber was taten sie danach?"

Maria holt Luft.
"Nein, Volk von Estichà! Ihr habt besseres verdient. Auf die Dauer überlebt nur der Starke, und der Starke ist kein Laberkopf, kein Bürokrat und kein Funktionär. Der Starke ist ein Krieger, ein Führer, ein Politiker, ein Diplomat. Estichà wird eine starke Führung bekommen, und eine starke Stadt werden. Wenn wir alle zusammenarbeiten, dann wird Estichà einst die Hauptstadt eines starken Reiches sein! Aber das funktioniert nicht mit einem Rat.
Versteht mich nicht falsch, ich versuche nicht, die Alleinherrschaft an mich zu reißen. Das ist nicht mein Ziel, zumindest nicht auf Dauer. Ich muß nur erst die Kontrolle übernehmen, um dann in der Lage zu sein, die Stadt wieder einer gerechten und starken Führung aus unserer Mitte zu übergeben. Um das zu gewährleisten, gilt ab jetzt folgendes Gesetz:"

Maria rollt eine kunstvoll verzierte Rolle aus und liest vor.
"Proklamation!
In Anwendung des Artikels 16 der Verfassung übernimmt die Stadtkommandantin Maria Villa Lobos mit sofortiger Wirkung die unumschränkte Macht in der Stadt Estichà.
- Es herrscht Militärrecht.
- Die Artikel 1, 2, 4 bis 8, 11 bis 15, 17 bis 20, 22 und 23 der Verfassung sind hiermit außer Kraft gesetzt.
- Der Hohe Rat ist aufgelöst.
- Vertreter der Regierenden Stadtkommandantin sind der Obrist Jolumbu und der Leutnant Daval Yekanta Mondrivial.
- Die zivilen Beamten der Stadt Estichà sind angehalten, binnen 24 Stunden bei der Regierenden Stadtkommandantin vorstellig zu werden, um das weitere Vorgehen zu besprechen
- Die Inauguration einer permanenten Regierung wird zu gegebener Zeit von einer Kommission unter Leitung der Kommandantin vorgenommen.
- Es gilt eine Ausgangssperre ab Sonnenuntergang
- Es gilt Waffenverbot für alle, die nicht Angehörige der Stadtwache von Estichà oder Tempelwachen sind.
gezeichnet
Maria Villa Lobos
Regierende Stadtkommandantin."

Maria läßt die Rolle sinken.
"Ich spreche offen zu euch. Ich hätte meine Ziele auch verschleiern können, aber jede Form von Intrigen und Schlichen sind nicht mein Stil - und sind vollkommen unangemessen, um dieser Lage Herr zu werden. Der Karren steckt tief im Dreck. Helft mir, ihn herauszuziehen, dann wird Estichà bald wieder ein Juwel von einer Stadt sein!"

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